Donnerstag, Mai 01, 2008

Album des Monats - April

Portishead - Third

Tja, da gab es diese Band, die 1994 ein Album herausbrachten, in dessen Zug ein ganzes Genre aus der Taufe gehoben wurde, auch wenn sich Portishead niemals dieses Genres zugehörig gefühlt haben. Die Rede ist von Dummy und TripHop. Natürlich muss man fairerweise sagen, dass Massive Attack und Tricky sicherlich eher die Hauptacts des TripHop sind. Trotzdem sind Sour Times und Glory Box Hymnen dieses Genres. Portishead hatten schon immer diese verrauchte Hoffnungslosigkeit, getragen von Beth Gibbons fragiler Stimme, die ihre Verzweiflung in den Äther hauchte.
Ein Grund für den Status dieser Band ist sicherlich auch die Spärlichkeit ihrer Veröffentlichungen, und so ist Third tatsächlich erst das dritte Album in 14 Jahren.
Und was für ein Album nach einer über zehnjährigen Wartezeit dabei herausgekommen ist! Düster, elektronisch, verzweifelt. Third ist sicherlich besser als das zweite Album Portishead und braucht sich auch hinter Dummy nicht zu verstecken.
Besonderer Augenmerk möge auf We Carry On, Machine Gun (großartiger Song!), Small und Magic Doors gelenkt werden.

8/10

Videos: Machine Gun und alter Zeiten wegen: Sour Times



The Last Shadow Puppets - The Age of Understatement

Holla, da haben sich zwei Herren, einer der nebenbei in der Band Artic Monkeys spielt, und einer der zur Band The Rascals gehört, zusammen getan, um ein Album aufzunehmen. Direkt der Opener und Namensgeber The Age of Understatement ist ein mitreißender Song. Und auch der Rest ist nicht schlecht. Die Musik ist recht ungewöhnlich für ein Britpop-Amalgam und hat durch die Streicherarrangements eine gewisse Form der Anzughaftigkeit (ich weiß, dass das kein Wort ist), Coolness und ein gewisses james bondiges Etwas. Nettes kurzweiliges Album für zwischendurch. Anspieltipps: The Age of Understatement / Calm Like You / The Chamber / Black Plant

7/10

Videomania I

Eine neue Rubrik in der bedeutsame Videos vorgestellt werden sollen. Was auch immer das heißen mag.

Als Opener:

Radiohead - Street Spirits
1996, The Bends, Regisseur: Jonathan Glazer

Thom Yorke über den Song:
"Street Spirit is our purest song, but I didn't write it. It wrote itself. We were just its messengers; its biological catalysts. Its core is a complete mystery to me, and, you know, I wouldn't ever try to write something that hopeless. All of our saddest songs have somewhere in them at least a glimmer of resolve. Street Spirit has no resolve. It is the dark tunnel without the light at the end. It represents all tragic emotion that is so hurtful that the sound of that melody is its only definition. We all have a way of dealing with that song. It's called detachment. Especially me; I detach my emotional radar from that song, or I couldn't play it. I'd crack. I'd break down on stage. That's why its lyrics are just a bunch of mini-stories or visual images as opposed to a cohesive explanation of its meaning. I used images set to the music that I thought would convey the emotional entirety of the lyric and music working together. That's what's meant by 'all these things you'll one day swallow whole'. I meant the emotional entirety, because I didn't have it in me to articulate the emotion. I'd crack...

Our fans are braver than I to let that song penetrate them, or maybe they don't realise what they're listening to. They don't realise that Street Spirit is about staring the fucking devil right in the eyes, and knowing, no matter what the hell you do, he'll get the last laugh. And it's real, and true. The devil really will get the last laugh in all cases without exception, and if I let myself think about that too long, I'd crack.

I can't believe we have fans that can deal emotionally with that song. That's why I'm convinced that they don't know what it's about. It's why we play it towards the end of our sets. It drains me, and it shakes me, and hurts like hell every time I play it, looking out at thousands of people cheering and smiling, oblivious to the tragedy of its meaning, like when you're going to have your dog put down and it's wagging its tail on the way there. That's what they all look like, and it breaks my heart. I wish that song hadn't picked us as its catalysts, and so I don't claim it. It asks too much. I didn't write that song."

Quelle: wikipedia




Samstag, April 19, 2008

Kettcar - Sylt

Willkommen in der Welt der ü30er. In der Welt der fetten Midlife-Crisis (sollte man die nicht erst bekommen, wenn man die 40 überschritten hat?). Ihr, die ihr die 30 noch nicht überschritten habt, bleibt draußen, geht in eure Clubs und tanzt die Nacht durch, freut Euch an Eurer Jugend und Eurem Gefühl unsterblich zu sein. Ihr könnt das hier nicht verstehen, erst wenn Ihr hier bei uns angekommen seid und feststellt, dass Ihr Euch immer noch für jung haltet, aber die Zeit an Euch genagt hat, und irgendwie die innere Einstellung nicht mehr ganz mit der Realität übereinstimmt und Ihr an den Rändern ausfranst. Und dann sind da die Alten, die die immer noch so tun, als wären sie jünger als Ihr ("Und Opa skatet wieder / Oma hat jetzt noch ein Tatoo", Kein außen mehr) und irgendwie versteht Ihr die Welt nicht mehr. Eure langjährigen Beziehung zerbröseln (Wir müssen das nicht tun). Ihr geht auf 'Parties' und lügt Euch gegenseitig an, dass ihr immer noch die jungen, hippen Leute seid (Graceland). Ihr trefft Euch mit nem alten Freund und zerstört die Stimmung mit Eurer verbitterten Einstellung, weil die Anderen es 'geschafft' haben und die Themen des Abends Euch einfach nur anöden (Am Tisch). Ihr habt Eure Ziele erreicht und trotzdem fehlt was und die guten Geschichten, die guten Leben, passieren immer nur den Anderen (Nullsummenspiel). Ihr seht Euer Leben und es ödet Euch nur noch an (Agnostik für Anfänger). Ihr kommt zu Eurem alten Zuhause zurück, dort wo Ihr geborgen wart, aber jetzt alles fremd ist und Ihr müsst erkennen, Ihr seid kein Kind mehr (Verraten).
Also bleibt draußen, Ihr kommt hier noch nicht rein. In 10 Jahren sehen wir uns wieder, wenn Ihr da angekommen seid, wo wir jetzt sind.

8/10

Motorpsycho - Little Lucid Moments

Ich hatte ja schon immer ein gespaltenes Verhältnis zu Motorpsycho. Das liegt vielleicht daran, dass der erste Song, den ich von der Band gehört habe, "Vortex Surfer" war. Ich halte dieses Lied immer noch für eines der besten Stücke Rockmusik. Der Wechsel von Ruhig zu explodierender Lautstärke gelingt in diesem Song, wie kaum sonstwo. Smashing Pumpkins fallen einem als Band, die ähnliches schaffen konnten, ein. Dagegen verblasste der Rest der Musik, die Motorpsycho erschufen, drastisch. Vor allem die Retrorock-Phase mit psychedelischen Einsprenkelungen überzeugte mich nicht wirklich. So war für mich Motorpsycho eine Band, die sowohl mit das Beste und gleichzeitig mit das Langweiligste spielten. Die neueren Alben habe ich dann immer nur kurz angespielt und dann ignoriert.
Und jetzt, "Little Lucid Moments". Ein Album bestehend aus 4 Songs, keiner unter 10 min. Beginnend mit einer Suite. Eine Suite (Wikipedia: "Eine Suite (von frz. = Folge) ist in der Musik ein Zyklus von Instrumental- oder Orchesterstücken, der in einer vorgegebenen Abfolge ohne längere Pausen gespielt wird. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts etablierte sich daneben der Name Partita, im 18. Jahrhundert wurden Suiten auch als Ouvertüre bezeichnet.) auf einem Rockalbum? Der ganze Aufbau des Albums und der Musik erinnert in der Tat an Klassik. Somit haben Motorpsycho so eine Art klassisches Rockopus geschaffen. Ruhigere Abschnitte wechseln sich ab mit schnelleren Passagen. Themen tauchen auf und werden später wieder aufgegriffen. Dabei erinnert "Suite: Little Lucid Moments" immer noch sehr stark an ein 60er - 70er Jahre Rockepos. Diesmal allerdings in der interessanteren Form.
Der zweite Song "Year Zero" ist sicherlich das beste Stück auf dem Album und lässt den Retrorock fast hinter sich, um in Postrock-Gefilde abzudriften. Großartig.
Die letzten beiden Stücke "She left on the sun ship" und "The Alchmyst" sind dann irgendwie ein Amalgam aus Retrorock und Postrock.

Alles in allem ein gelungenes Album, dass diesmal sicherlich nicht von mir ignoriert wird.
7/10

Montag, April 14, 2008

Video Nachschlag

Da erst jetzt Videos eingefügt worden sind, gibts einen Nachschlag zu älteren Posts:

iLiKETRAiNS - Spencer Perceval



Da von Delbo kein aktuelles Video zu finden war, gibts Peroma vom alten Album:



Von WitTR kein Video, aber immerhin die Musik. Behold the Vastness and Sorrow.

März - der Rest

Vorfreude

Death Cab for Cutie werden im Mai ein neues Album veröffentlichen, Narrow Stairs. Als kleines Schmankerl vorweg gibts die Single I will possess your heart, die Lust auf mehr macht. Ein starker Song in Überlänge, der zur Hälfte instrumental daherkommt.
9/10





Außerdem:

Ein neues The Notwist Album steht in den Startlöchern. Heißer Anwärter auf das Album des Monats April.

Auch Kettcar werden bald ein neues Album veröffentlichen. Vorab gibts schon mal die Graceland EP.




Zum Abschluß noch ein Moonsorrow Video, da die Band im April eine neue EP veröffentlichen wird. Das Video zu Jotunheim, ein älterer Song der Band, kommt wegen Überlänge in zwei Teilen daher.





März

Album des Monats

Korpiklaani - Korven Kuningas


Und weiter gehts mit Musik, die dem Metal zugerechnet werden muss. Korpiklaani, ein Haufen durchgeknallter Finnen, haben ein neues Album herausgebracht. Im Gegensatz zu anderen Bands, die sich in der Ecke des Pagan/Viking Metals herumlümmeln, sind Korpiklaani unangestrengt. Das heißt, man merkt der Musik und auch den Videos an, dass die Band sich weitaus weniger ernst nimmt als die meisten Vertreter dieses Genres. Obwohl die Frage, ob Bands, die mit Make-up und langen Haaren böse Grimassen in die Kamera schneiden, sich wirklich ernst nehmen, berechtigt ist. Korpiklaani mischen finnische Volksmusik mit Metal und das Ergebnis ist sehr ansprechend. Wobei die Musik weniger martialisch klingt, sondern eher an Volksfeste und Biergelage erinnern lässt. Auch klingt das Ganze weniger dramatisch und episch, als bei anderen Vertretern dieser Gattung Musik.
8/10




Samstag, März 29, 2008

Februar

Album des Monats

Wolves in the Throne Room - Two Hunters

Ein Album, dass zwar schon im letzten Jahr erschienen ist, aber trotzdem erst jetzt entdeckt wurde und deshalb nun hier erscheint. Eine interessante Wendung, die sich im letzten Jahr mit Moonsorrow bereits ankündigte, hat nun seine erste Vollendung gefunden. Nämlich die Entdeckung von düsterem, elegischen Metal. Dark/Death Metal wird ja normalerweise im hohen Norden Europas produziert, anders aber mit Wolves in the Throne Room, die aus dem Nordosten der USA stammen. Dabei klingen sie, als wären sie den Fjorden und Seen Skandinaviens entsprungen, obwohl durchaus Anleihen an Isis zu erkennen sind.
Diese Platte ist einfach phantastisch, ähnlich, wie der Vorgänger "Diadem of 12 Stars". Dabei ist zu sagen, dass der Verfasser Metal an sich eher zwiespältig gegenübersteht. Die wohl furchtbarste Eigenart dieses Genres ist der Gesang der Mehrheit der Musik dieser Sparte. Ein hohes Fistelsingen, von dem vermutet wird, dass es von den zu engen Jeans herrührt. Prominentester Vertreter dieser Gattung von Furchtbarmetal ist Manowar, die man sich nur unter extremsten Schmerzzuckungen anhörenn kann. Dann doch lieber das skandinavische Gegrunze und Gegröhle. Dies ist auch bei Wolves in the Throne Room vertreten, dazu ein Wahnsinnsgeknüppel auf dem Schlagzeug und Gitarrenflächen, die wie bereits erwähnt, an Musik der Gattung Isis, Mogwai und den Constellation-Veröffentlichungen erinnert.

9/10

Anderes

Dark Fortress - Eidolon

Um beim Genre zu bleiben, hat eine der bekannteren Dark Metal Bands ein neues Album herausgebracht. Sehr weniger flächig als Wolves und knüppeliger. Eben purer Dark Metal. Trifft im Moment meine Stimmung.

6/10

Niels Fervert - Du kannst mich an der Ecke rauslassen

Deutscher Alternativpop in einer seiner sympathischten Inkarnationen. Einen schönes, kleines Album.

7/10

Sonntag, Februar 10, 2008

Januar

Album des Monats

Delbo - Grande Finesse


Ein schönes deutsches Gitarrenalbum zu Beginn des Jahres - was will man mehr? Sehr locker runtergespielt, erinnert es sowohl an Kante, als auch an Klez.e. Wobei ersteres sich auf die Musik bezieht, letzteres auf das Feeling und die Stimme. Die Klez.e Assoziation ist auch kein Wunder, da ein Mitglied von Klez.e bei Delbo beteiligt ist. Entsteht hier so etwas wie eine Berliner Schule?

8/10

Anderes

Get well soon - Rest Now Weary Head


Sehr nettes und abwechslungsreiches Album. Am interessantesten ist die abwechslungsreiche Stimme, die manchmal an Radioheads Thom Yorke erinnert, dann wiederum klingt er ganz anders (Beirut?). Sicherlich etwas zu sehr gehypt ist dieses Album dennoch eine Perle und entfaltet seine ganze Kraft erst nach mehrmaligem Hören.

7/10

iLiKETRAiNS - Elegies to Lessons Learnt


Eigentlich schon im Dezember erschienen, aber erst am Ende des letzten Jahres entdeckt, daher mit in den Januar gerutscht. Sehr düsteres und, ja, elegisches Werk. iLiKETRAiNS sind ganz dicht dran an düsteren Ikonen, wie Nick Cave, und ähnlich wie bei ihm handeln ihre Texte von menschlichen Dramen und ihre Geschichten gehen nie gut aus. Abgründe tun sich auf und werden gnadenlos ausgeleuchtet. Der Clou: Jeder Song hat einen geschichtlichen Hintergrund. So handelt der fulminante Opener, eines der besten Stücke des Albums, von dem Ausbruch der Pest in einer englischen Kleinstadt, die über Stofflieferungen die Pestüberträger einschleppten (the tailor was the first to go/we buried him low). Die Bewohner der Stadt legten sich eine Quarantäne auf und mehr als ein Drittel der Bewohner starben, aber sie verhinderten dadurch die weitere Ausbreitung der Krankheit (with heavy hearts and other hands/we built a wall around this town/and no one comes and no one goes/save our souls).
Mit den anderen Songs verhält es sich ähnlich. Nachzulesen auf der Internetseite der Band.

8/10

Samstag, Dezember 15, 2007

Top 10 des Jahres 2007

1. Tocotronic - Kapitulation
2. Radiohead - In Rainbows
3. Arcade Fire - Neon Bible
4. Maximo Park - Our Earthly Pleasures

5. Sigur Ros - Hvarf/Heim
6. Gravenhurst - The Western Lands
7. Six Organs of Admittance - Shelter from the Ash
8. Editors - An End Has A Start

9. Kinski - Down below it's Chaos

10. You Say Party! We Say Die! - Lose all Time


Jedes Jahr das Gleiche. Kurz vor oder nach Weihnachten muss das ganze vorherige Musikjahr Revue passiert werden und man bastelt sich eine Top-Liste zusammen. Dabei vergisst man grundsätzlich irgendetwas, ist mit der exakten Platzierung unzufrieden (soll dieser oder jener Interpret auf Platz 4 oder doch eher auf Platz 5), Birnen müssen mit Äpfeln verglichen werden und am Ende sind dann doch die üblichen Alternativ-Geschichten ganz oben und das geile Elektronik-Album landet dann doch auf den hinteren Plätzen, obwohl, eigentlich sollte es ja doch viel höher, aber dieses eine Gitarrenalbum muss dann doch auf diesen oder jenen Platz, etc.
Furchtbar stressig!
Dank des Blogs dann doch etwas entspannter diesmal. Die Platzierung zeichneten sich schon frühzeitig ab, man vergaß nichts wichtiges. Nur noch ein bißchen mit den Charts die eh schon da waren rumspielen und fertig.

Hier nun nur noch ein paar Kommentare:

- Platz 1 war irgendwie vorzeitig klar. Sicher eines der besten Toco-Alben und nach dem Konzert ist dann die Entscheidung gefallen: Da kommt nix besseres. Kam dann auch nicht.
Vielleicht trug auch die fast nicht vorhandene Radioexposition dazu bei, die einen Überdruß einiger Songs schlicht verhinderte.

- Radiohead dann am Ende doch besser als Arcade Fire. Auch wenns einiges an Hören abverlangt hat. Aber das ist ja normal.

- Über Neon Bible ist schon alles gesagt worden. Ob Funeral nun besser war oder nicht, trägt ja nix zur Jahresplatzierung bei.

- Maximo Park sicher die größte Überraschung für mich dieses Jahr. Die erste fand ich nur so lala, aber dieses Album ist sicher das Beste was an BritPop-Erscheinungen dieses Jahr herausgekommen ist.

- Sigur Ros nur im Mittelfeld, aber zu viele alte Lieder reichen dann nicht für eine höhere Platzierung und Videos werden hier nicht bewertet.

- Beim ersten Hören des neuen Gravenhurst-Albums machte sich erst Enttäuschung breit. Aber nach langem Hören tauchten die Perlen dann plötzlich auf. Sicherlich das Album das am Meisten durch das Hören gewonnen hat und dessen Platzierung sich am Ende noch dramatisch verbessert hat.

- Six Organs of Admittance. Noch sehr frisch, daher eventuell zu hoch.

- Das Editor-Album halte ich für das Beste der dieses Jahr hereingeschwappten New Wave Revivalwelle. Basta! Der Rest schaffte es dann nicht mehr in die Top Ten.

- Kinski war ein Zufallsfund auf iTunes. Nette Kanadische Gitarrenband.

- You Say Party! We Say Die! war ein Spontankauf und es dauerte bis ich mich richtig mit dem Album beschäftigt hatte. Anleihen an Siouxie, vor allem in der Stimme. Und Anwärter auf den coolsten Bandnamen.

Alles in allem war das Jahr garnicht so schlecht.

Flops des Jahres: Bloc Party, Interpol

Honorary Mentioning: Nick Cave - The Assassination of Jesse James (muss den Film noch sehen), Die Collector's Edition von Closer, Unknown Pleasures und Still.

Sonntag, Juli 08, 2007

Digitalism - Idealism

Ein kleiner Ausflug in die elektronische Szene. Es gibt ja immer mal wieder Projekte und Kombos, die als die Daft Punk Nachfolger gehandelt werden. Digitalism ist sicherlich jemand, der ein heißer Anwärter auf diesen Titel ist. Das Kuriose: Sie sind keine Franzosen, sondern Deutsche. Es ist aber die Abwechslung, die Idealism hervorhebt. Es gibt Songs, die an Daft Punk erinnern und Magnets ist sicherlich der Daft Punk Song schlechthin, und es geht erstmal in Daft Punk Manier weiter, bevor der Break kommt. Ausgerechnet mit einer Hommage an The Cures "Fire in Cairo". Hübsche Idee. Dann kommt der Kracher des Albums Pogo, der irgendwie Elektronik mit Britpop vermischt. Absoluter Mitgeher-Song. Der Rest des Albums ist dann ein netter Strauss voller elektronischer Klänge. Immer überraschend und spannend. Heisser Anwärter auf das beste Elektro-Album des Jahres. 8/10

Marilyn Manson - Eat Me, Drink Me

Marilyn Manson kann man mögen oder auch nicht. Für die einen ist er entweder ein durchgeknallter Typ, der arme Jugendliche vom rechten Weg abbringt. Es gibt aber sicherlich Bands, die die christlichen Eiferer Amerikas weitaus mehr auf die Palme bringen sollten. Allerdings haben diese sicher nicht die Massenwirkung, die Marilyn Manson hat. Man kann die Musik und die Texte sicherlich auch als leicht juvenil betrachten. Ernst nehmen sollte man diese Band sicherlich nicht. Stattdessen kann man aber die schon gnadenlose Stringenz beeindruckend finden, mit der hier ein Gesamtkunstwerk abgeliefert wird. Es ist nicht nur die Musik, die das Kunstwerk ausmacht, sondern auch das Styling, dass bei den Videos beginnt (und die sicherlich zu dem enormen Erfolg von Antichrist Superstar einen gewaltigen Beitrag geleistet haben) über die Konzerte geht und auch vor den Bandmitgliedern nicht haltmacht. Das gesamte Styling der Personen wird dem Styling des gerade aktuellen Albums unterworfen. Das neue Album Eat Me, Drinke Me bildet da keine Ausnahme. Die Musik ist etwas weniger hart, als das vorherige und popkompatibler. Es erinnert an Mechanical Animals, welches einer der Höhepunkte des Schaffens von Marilyn Manson darstellt. Die Musik ist typisch Marilyn Manson und die Höhepunkte Just a Car Crash away, Heart-shaped Glasses und Eat Me, Drink Me gehören zu dem Besten, was die Band herausgebracht hat. 7/10

Album des Monats Mai: Björk - Volta

Ein neues Lebenszeichen der isländischen Sirene ist immer ein Grund erwartungsvoll der Klänge zu harren, die da auf einen warten. Im Gegensatz zu Madonna, die ihre Produzenten so aussucht, dass sie immer einen Schritt hinter der Innovationsfront ist und somit das gerade angesagte in ihrer Musik verwurstet, kann man sicher sein, dass Björk der Zeit immer einen Schritt voraus ist oder etwas völlig abgefahrenes zum Besten gibt (z.B. Medúlla). Volta ist jetzt ein eher konventionelles Björk-Album, falls man von konventionell in ihrem Fall sprechen kann. Die Songs sind weitaus massenkompatibler, als dies ihre letzten Alben waren und erinnert irgendwie an alte Alben wie Post oder Homogenic. Insgesamt ein solides Album, wenn es auch vielleicht nicht mit dem besten Material von ihr mithalten kann. Für ein Album des Monats reicht es aber allemal.

Bewertung: 8/10 (Song-Durchschnitt 7,1/10, aber die guten Songs lassen den Gesamteindruck etwas höher erscheinen.)

Einzelkritik:

Earth Intruders: Erinnert an Army of Me. 7/10

Wanderlust: Hammersong. Schiffsgetröte am Anfang (mal wieder Hafenassoziationen) und dann ein Wahnsinns-Wummer-Beat. Definitiv Höhepunkt des Albums. 9/10

Dull Flame of Desire: Es geht wirklich sehr gut weiter. Der Song weckt Erinnerungen an Selmasongs. Sowohl wegen des Arrangements als auch wegen des Duetts. 9/10

Innocence: Plötzlich einsetzender, abgehackter Beat. Sehr nett. 8/10

I See Who You Are: Ein typischer Klimper-Björk-Song. 7/10

Vertebrae by Vertebrae: Bläsersong. Schon interessant, reisst aber nicht so mit, wie die vorherigen. 6/10

Pneumonia: Irgendwie sehr bläserorientiert dieses Album. Hier wähnt man sich in einer Jagdgesellschaft in den Bergen. Ansonsten sehr ruhig und zurückhaltend. 6/10

Hope: Jetzt wird wieder ein Gang zugelegt. Nettes Geklimper und ein Beat der zum Mitwippen anregt. 7/10

Declare Independence: Björks Punksong. Erinnert irgendwie an Peaches. Aber Björk ist halt kein Punk. 4/10

My Juvenile: Nochmal ein netter Klimpersong zum Abschied. 8/10

Montag, April 30, 2007

Album des Monats April: Maximo Park - Our Earthly Pleasures

Ein wahnsinnig gutes zweites Album haben die Jungs von der Insel da abgeliefert. Normalerweise ist ja das verflixte zweite Album ein großes Problem für Bands, die mit ihrem Debut schon großen Erfolg hatten (siehe Bloc Party), aber Maximo Park haben sich selbst übertroffen. Dabei muss ich gestehen, dass der Hype um das erste Album "A Certain Trigger" etwas an mir vorbeigegangen ist, hauptsächlich, weil ich die Songs etwas zu fahrig und in sich selbst zerrissen fand. Melodiestrukturen wurden immer wieder wie aus dem Nichts unterbrochen und dadurch der Groove zerstört. Dies wird auf "Our Earthly Pleasures" vermieden. Stattdessen erscheinen die Songs jetzt aus einem Guß und dadurch eventuell auch etwas poppiger, als auf "A Certain Trigger". Aber immer noch sind Maximo Park angenehm anders als andere Bands aus Britannien, eine Eigenschaft, die sie mit Bloc Party gemeinsam haben. Ein Song ist sofort als Maximo Park Song beim ersten Hören zu identifizieren und nicht als einer der auswechselbaren Songs einer der zahlreichen "The ..." Bands. Dies wird sicherlich auch noch durch den Gesang unterstützt, bei dem der Newcastle Akzent des Sängers erfrischend anders als anderer britischer Gesang klingt.
9/10 (8/10 nach Durchschnitt der Songbewertung)

Girls Who Play Guitars:

Straighter Rocksong mit krachenden Gitarren. Trotzdem einer der schwächeren Stücke.
6/10

Our Velocity:

Absoluter Kracher. Gute erste Single.
9/10

Books from Boxes:
Ruhigerer Song. Wahnsinnig eingängig mit einem unglaublichen Refrain. Dazu kommt, dass der Newcastle-Akzent richtig rauszuhören ist.
10/10

Russian Literature:

Hier wurde mal auf ein Klavier zurückgegriffen, bevor die Gitarre wieder die Kontrolle übernimmt. Im weiteren Verlauf wird der Song immer bombastischer.
8/10

Karaoke Plays:

Der Song erinnert etwas an einen Muse-Song, wenn sich plötzlich eine Gitarrenwand aufbaut und alles extrem hymnisch wird. Mit einer Muse-Stimme sicherlich kaum akzeptabel, so allerdings funktioniert.
7/10

Your Urge:

Solider Maximo Park-Song.
8/10

The Unshockable:

Hammerrhythmus. Der Song reisst mit und lässt einen nicht mehr los.
10/10

By the Monument:

Auf den einen Kracher folgt der nächste Song, der einen umhaut. Hier ist man am Höhepunkt des Album angekommen.
10/10

Nosebleed:

Nach den beiden vorherigen Song hat es Nosebleed etwas schwer. Ist für sich selber genommen aber immer noch eine Perle.

8/10

A Forthnight's Time:

Der nächste Song, den ich als typisch Maximo Park bezeichnen würde. Ein leicht gebrochener Rhythmus, der im Refrain dann irgendwie smoother wird.

9/10

Sandblasted and Set Free:

Einer der wenigen ruhigen Songs (siehe Books from Boxes). Im Refrain werden dann wieder die Gitarren rausgeholt. Trotzdem schafft er es nicht ganz den Charme von Books from Boxes zu entfalten, vor allem da er doch vielleicht am konventionellsten von allen Songs klingt.

7/10

Parisian Skies:

Der letzte Songs des Albums plätschert irgendwie so vor sich her. Außerdem erinnert mich an irgendeinen anderes Lied, aber es will mir nicht einfallen, welches das sein könnte.

6/10

Dienstag, April 03, 2007

"Wir sind politisch und sexuell anders denkend"

Es hat uns niemand gefragt
wir hatten noch kein Gesicht
ob wir leben wollten oder lieber nicht
hin und her und hin- und her gerissen
zwischen verstehen wollen und handeln müssen
keine Liebe, keine Arbeit, kein Leben
an meinem Kissen schlag' ich mir den Kopf auf
und wenn der Tag kommt bleibt es kleben
Und der Staat ist kein Traum
sondern bleibt wie mein Kissen
ein mich gestaltender, die Fäden, die rissen
und Welt verwaltender Zustand
der sich durch mich und mich bewegt
durch Gedanken aus Stein, aus Licht eine Mauer
eine Sonne aus Eisen und eine Sprache aus Trauer

Eine eigene Geschichte
aus reiner Gegenwart
sammelt und stapelt sich
von selbst herum um mich
während ich durch die Gegend fahr
- Eine eigene Geschichte, L'etat et moi

Eine der einflußreichsten Bands der Hamburger Schule schließt ihre Pforten, zieht einen Schlußstrich, verstummt. Während die Sterne die Prolls waren und Tocotronic ,die schüchternen Jungs, die auf ihre Turnschuhe starrten, bis sie erwachsen wurden, waren Blumfeld schon immer die intellektuellen ("geistig, [allein] vom Verstand her") und erwachsenen unter diesen Bands. Vor allem in den ersten beiden Alben, "Ich-Maschine" und "L'etat et moi", zeigten sie, dass es möglich ist, komplexe deutsche Texte zu schreiben, die jenseits von Schlager und Volksmusik Herz-Schmerz und Heile Welt Geseier liegen.
Gerade diese Texte, unabhängig von der Musik, machten es auch Vielen schwer diese Band zu verstehen und zu 'erfühlen'. Dabei waren sie, zusammen mit den genannten Bands, die Wegbereiter der "Neuen Neuen Deutschen Welle" die Bands wie Silbermond, Juli, Wir sind Helden, Mia u.a. hervorgebracht haben.
Lass uns von den Geistern sprechen, die ich rief.

ich will morden
den Apparat, der Dich und mich
bloß Apparat sein läßt

Wenig später wird ein Körper
eine Narbe aus Beton sein
wenig später wird jeder Nerv in Napalm
gelegt und verbrannt sein
Stirb oder sei wie wir
-
Von der Unmöglichkeit, "Nein" zu sagen, ohne sich umzubringen, Ich-Maschine

Was diese Bands von ihren späteren Nachfolgern unterscheidet, ist, durch ihre Entstehung Anfang bis Mitte der 90'er Jahre bestimmt, ein klares Statement gegen eine neue Deutschtümelei, die in ihrer Naivität, der Hoffung auf bessere Quote und Geld, nicht weniger gefährlich ist, als die aggressive "gegen alles nicht-deutsche" rechte Gesinnung, die immer noch, wie ein Gespenst durch diese Republik geistert. Sie ist in vielerlei Hinsicht gefährlicher, da sie schleichend in die Hirne dringt und Haltungen und Gedanken hoffähig macht, die uns wieder in die dunkle Vergangenheit zurückwerfen. Die Freude ist groß, woran es auch liegt, sie schwenken dazu ihre Fahnen. Es geht wieder los, sie singen ihr Lied, unschuldig wie einst ihre Ahnen. (Deutschland der Deutschen, Ein Lied mehr).
Blumfeld waren schon immer politisch, auch wenn die Sicht auf die Situation immer von Innen, von dem eigenen Ich, aus gesehen wird. Persönlich und nicht abstrakt. Und die politische Haltung war immer links, gegen die Zustände, die krank machen, die Zwänge, die von der entsozialisierten Marktwirtschaft auf die Menschen geworfen werden. Funktionier' oder stirb.
Umso erschreckender für die Lage der Nation, ist es, dass eine solche Band ein klares Statement gegen eine Deutsch-Quote im Radio abgeben musste, um nicht für diese Bewegung eingenommen zu werden. Blumfelds Lieder und Texte haben ihre Haltung gegenüber solche Anliegen mehr als deutlich gemacht, wenn man sich denn damit auseinandergesetzt hätte.

In den letzten Jahren, vor allem mit dem letzten Album der Band, hat sich Blumfeld von den deutlichen politischen Statements entfernt, die sie vorher von sich gegeben haben und haben sich zurückgeworfen auf das eigene Ich, entfernt von der Welt der Menschen und dadurch der Welt nähergekommen. Die Welt, die da draussen auch existiert, jenseits von Medien, Markt und Politik. Die Welt, die aus Pflanzen, Tieren, Blumen, Käfern und Bäumen besteht. Und gerade damit haben sie ein Zeichen gesetzt, das vielleicht deutlicher ist, als zuvor. Ein lautes Nein von hier zur Wand.

Und vielleicht ist damit alles gesagt worden, was zu sagen war. Und es war Zeit zu gehen. Vielleicht aber fehlt jetzt auch eine Stimme, die sich gegen die Mias und Schäubles dieser Tage wendet. Aber wenn Jochen Distelmeier alleine weiter Musik macht, dann ist die Stimme doch noch nicht verstummt, wenn er sich denn nicht im Hain der Apfelbäume verliert.

Status: Quo Vadis
stets dem Leben zu
hüten wir die Schwelle
zwischen Ich und Du
Sorge braucht Zusammenhänge
Zärtlichkeit braucht Zeit
Musik für eine andere Wirklichkeit
-
Status: Quo Vadis, Old Nobody

Jetzt ist "Ein Lied mehr (The Anthology Archives Vol. 1)" erschienen, welches neben den kompletten ersten drei Alben (Ich-Maschine, L'etat et moi und Old Nobody), eine Live-CD und eine CD mit alternativen Versionen von Songs (zu empfehlen: Verstärker), sowie zwei neuen Liedern, ein Cover (The Law von Leonard Cohen) und Deutschland der Deutschen, enthält. Für diejenigen unter uns, die die ersten drei Alben noch nicht ihr eigen nennen, mehr als lohnend, für alle anderen ist allerdings etwas zu wenig Inhalt vorhanden.

Wertungen:

Ich-Maschine 9/10
L'etat et moi, 10/10
Old Nobody, 9/10
Testament der Angst, 10/10
Jenseits von Jedem, 5/10
Verbotene Früchte, 7/10

Mittwoch, März 14, 2007

Reingehört

Placebo - Covers

Das neue Album von Placebo, welches nur aus diversen Coverversionen besteht. Enttäuschend, da die meisten Songs nur nachgespielt erscheinen und nicht wirklich neu interpretiert werden. Nur "Running Up That Hill" und "Johnny and Mary" zeigen etwas Mut. Das "Daddy Cool" von Boney M gecovert wird, wurde wohlwollend registriert. "Bigmouth Strikes Again", "20th Century Boy" und "I Feel You" sind allerdings mit den Originalen austauschbar. Daher 4/10.

The Cinematics - A Strange Education

Eine weitere 80er Revivalband. Schon sehr viel früher und auch besser von Interpol gehört. 5/10

Air - Pocket Symphony

Ein neues Air Album. Und irgendwie ist alles beim Alten. Wie heisst das Album? Talkie Walkie? Pocket Symphony? 10.000 Hz Legend? Austauschbare Namen und austauschbare Songs. Oh, doch nicht. Air haben jetzt auch Gastmusiker. Trotzdem sind die Zeiten von Moon Safari lange vorbei. 4/10

B.Fleischmann - Melancholie / Sendestrasse

Zwei 49 min Songs. Jeweils 30 sek hörbar. Keine Wertung, macht aber Geschmack auf die restlichen 48.30 min.

Stereo Total - Party Anticonformiste

Konnte diesem französischen Pop noch nie viel abgewinnen. Trotz teilweise deutschen Texten mit französischem Akzent, was wohl irgendwie niedlich rüberkommen soll. Vielleicht also auch wegen der deutschen Texte mit französischem Akzent. Und wegen der Musik. 3/10


Montag, März 12, 2007

Kurze: My Brightest Diamond - Tear it down

"Tear it down" ist ein Remix Album des 2006er Albums "Bring Me The Workhorse" von My Brightest Diamond. Die Remixe sind triphoppig bis elektronisch. My Brightest Diamond erinnert stark an Goldfrapp und Björk, und ich fand das Original interessanter als das, meiner Meinung nach, zu hoch gelobte Joanna Newsom Album "Ys".

Reszensionen hier: popmatters
eachnotesecure
boomkat

My Brightest Diamond: myspace
asthmatic kitty
homepage

Meine Wertung: My Brightest Diamond - Tear it down 7/10
My Brightest Diamond - Bring Me The Workhorse 8/10

Samstag, März 10, 2007

Im Blickpunkt - Klee Teil 1

Ein später Sommernachmittag am See. Du liegst träge auf einem Badetuch und lässt Dir die letzten Sonnenstrahlen auf den Balg scheinen. Du blickst über den See und Deine Gedanken streifen ab. Dabei hörst Du Klee und die Stimmung ist so perfekt, dass sie sich in Deinem Gedächtnis festsetzen wird.

Klee, eine Kölner Band, liegt irgendwo zwischen Blumfeld/Tocotronic, der Hamburger Schule im allgemeinen, den üblichen Deutsch-Pop-Gewächsen á la Wir sind Helden/Juli, sowie nicht zu überhörenden britischen Einflüssen. Dabei hat die Musik eine Leichtigkeit, die vor allem auf den älteren, elektronischeren Alben an Air erinnert, ohne so zu klingen.
Die Einflüsse der Band klingen so deutlich hervor, dass man beim Hören sich fragt, woher der Song einem so bekannt vorkommt, bis man merkt, dass klingt ja nach Tocos, Blumfeld, etc. oder blickt erstaunt, wenn man Hommagen an The Cure, New Order, etc. erkennt. Dabei sind die Songs trotzdem immer noch eindeutig Klee und werden vor allem von der unglaublichen Stimme der Sängerin zusammengehalten und einzigartig.
Dabei sind die Texte, die sich eigentlich immer mit der eigenen, privaten Welt befassen, von einer Lyrik, die sicherlich nicht an Blumfeld heranreicht, aber sicherlich die üblichen Deutsch-Pop-Gewächse weit hinter sich lässt.
So hört man denn Klee und lässt sich von den Liedern umgarnen und denkt, dass vielleicht doch noch alles gut wird, jetzt, vielleicht für länger, vielleicht für immer.

Klee - je länger je lieber

Erschienen 2004.

Für alle, die:

Das hier ist für alle die, / die es wissen / dass man alles kann / doch man muss nichts müssen

Schöner hymnischer Song, der einen direkt in das Album hineinzieht. Der Text ist das Programm der Band. 8/10

Tausendfach:

Doch wie er von der Liebe sprach / stach mir mitten ins Herz / tief und tausendfach

Schon mit den ersten Tönen wird klar: Blumfeld. 8/10

Mit Dir:

Ich glaub daran / dass alles einen Sinn macht / irgendwann

Schöner kleiner Popsong. 7/10

Gold:

Und jeden Augenblick gibts kein zurück / Wir sind Teil eines Ganzen dass größer ist / als du und ich

Hier zum ersten Mal auf diesem Album hört man einen der wichtigsten Einflüsse der Band heraus: New Order. Schöne Verbindung von Gitarren und elektronischen Spielereien. Und dann halt der New Order Bass. 7/10

Mein Geheimnis:

Britpop mit deutschen Texten. Interessant. 6/10

Zwei Fragen:

Und wenn ich dich zwei Fragen fragen würde / wär das / woran glaubst du / und wofür lebst du

Vielleicht bester Song des Albums. Fängt wie Blumfeld an und transformiert sich dann zu einem Tocotronic-Song, bis dann in der Mitte des Songs ein New Order Bass seine Aufmerksamkeit einfordert. Besser könnens Tocotronic auch nur in ihren besten Songs. 9/10

Gegen den Strom:

Aber die Sehnsucht ist stärker / als dass, was man uns diktiert

Ganz netter Song der auch gut anfängt, aber dann wird der Refrain irgendwie in den Sand gesetzt. Schade. 5/10

Solang du lebst:

Ist alles was entsteht / dem Leben nur wert / dass es zugrunde geht

Unglaublich, aber irgendwie erinnert der Song mich an einen Faith & the Muse Song. Ist natürlich nix gothicartiges, aber trotzdem. Und ne Art elektronische Sirene, die den Rhytmus vorgibt. Und natürlich das Faust-Zitat. 7/10

Wunschfrei:

Beginnt wie ein Tocotronic-Song, um dann in ein Coldplay Piano überzugehen. Und so wechselt sich der Song dann ab, zwischen Tocotronic Gitarrengeschrammel und ruhigem Coldplay-Piano.
6/10

Unser Film:

In unserm Film sind wir die Guten / in unserm Film gibts keine Toten

Wahnsinn, deutlicher kann man einen Song nicht zu einer The Cure Hommage machen. Das ist praktisch "Just Like Heaven". 8/10

Keine zehn Pferde:

Indie Gitarrenpop auf deutsch. Trotzdem reisst der Song nicht so mit, trotz "hey ho, let's go!" Attitüde. 5/10

Mein Zimmer:

Klingt irgendwie wie eine Blumfeld-Ballade. Ruhig und einschmeichelnd. Und zum Glück wird nicht von Äpfeln und Bäumen gesungen. 6/10

Gesamteindruck: 7/10

Im zweiten Teil dann das aktuelle Album "Zwischen Himmel und Erde".

Klee









Mittwoch, März 07, 2007

Arcade Fire - Neon Bible

Überall ist die Arcade Fire in aller Munde. Und alle Kritiken jubeln das Album in höchste Höhen und nachdem ich ein paar Mal das Album gehört kann ich nur sagen: Recht haben Sie!
Als erstes fällt auf, wie abwechslungsreich die Platte ist. Schräge Kirchenorgeln sind genauso dabei, und diese sind wahrscheinlich Schuld daran, dass das Album als eine gradezu kirchliche Zeremonie gelobt wird, was irgendwie schon übers Ziel hinausschießt, so wie elektronisches Geflirre und folkige Gitarren. Dazu nahezu immer ein sehr gewaltiges Schlagzeug. Es braucht allerdings einiges Hören, um in das Album richtig einzutauchen, aber schließlich werden einem die Songs so vertraut, dass selbst die Songs im Mittelteil, die einem erst weniger gut gefiehlen plötzlich richtig gut erscheinen. Sicherlich bestes Album des ersten Viertels des Jahres und heißer Anwärter auf einer der oberen Plätze in den Jahrescharts. Die nächsten Veröffentlichungen werden sich an Arcade Fire messen lassen müssen.
10/10

Einzelkritik:

Black Mirror:
Mirror, Mirror on the wall / show me where them bombs will fall

Guter Einstieg in das Album. Düster und mit nettem Geklimper im Hintergrund. Erinnert mich stellenweise an Pulp in ihren dramatischen Liedern. 8/10

Keep the Car running:
If some night I'm not coming home / please don't think I've left you alone

Und plötzlich kommt da ein folkartiges Gitarrengedudel daher, dessen Groove einen mitreisst. Der Druck den der Song aufbaut wird ständig erhöht und lässt eigentlich bis zum finalen Paukenschlag nicht mehr nach. Gut. 7/10

Neon Bible:
In the Neon Bible, the Neon Bible / Not much chance for survival / if the Neon Bible is true

Als nächstes wird erstmal etwas Schwung herausgenommen. Neon Bible kommt ruhig daher, allerdings ist da ein etwas unruhiges elektronischer Gedrösel im Hintergrund und der Song hat eine etwas bedrohliche, finstere Atmosphäre. Trotzdem kommt er nicht ganz an die vorherigen Lieder heran. 6/10

Intervention:
Working for the church while your life falls apart / Signin' hallelujah with the fear in your heart / Every spark of friendship and love will die without a home

Gewaltig dröhnen Kirchenorgeln aus den Lautsprechern und, wie üblich, steigert sich der Song ständig, um unaufhaltsam auf den finalen Höhepunkt zu zusteuern. Großartig. 9/10

Black Wave:
There is a great black wave in the middle of the sea / for me / for you / for me / it's always for you

Ein Song aus zwei Teilen. Erst eine irgendwie bedrohlich, paranoide Einleitung, hübsch von einer weiblich Stimme untermalt, dann der Bruch und der Sänger übernimmt. Und am Ende dann ein nahezu nahtloser Übergang in den nächsten Song. 9/10

Ocean of Noise:
An ocean of noise / I first heard your voice / Now who here among us / Still believes in choice? / Not I!

Irgendwie ein Song den ich als pulp fictionig bezeichnen würde, der dann irgendwie zu einem Nick Cave Crossover wird und schließlich Erinnerungen an Godspeed! You Black Emperor wachrüttelt und in einem Bläseroutro mündet. Was will man mehr? 10/10

The Well & the Lighthouse:
She said, "You fool, now that you know your end is near; / You always fall for what you desire or what you fear!"

Vielleicht der Song der am ehesten an einen konventionellen Indiepopsong erinnert. 9/10

Building Downtown (Antichrist Television Blues):

Irgendwie erinnert mich der Song an den Boss. Ja, an Bruce Springsteen. Und trotzdem funktioniert er irgendwie. Keine Ahnung warum. 9/10

Windowsill:
Don't wanna fight in a holy war / Don't want the salesmen knocking at my door / Don't wanna live in America no more

Ich kann nicht genau den Finger in die Wunde legen, aber der Song erinnert mich an etwas, aber ich kann nicht sagen an was. Ansonsten sehr breit und flächig. 8/10

No Cars Go:
Between the click of the light and the start of the dream

Höhepunkt des Albums. Wahnsinn! Besser kanns mans fast nicht mehr machen. 10/10

My Body Is A Cage:
My body is a cage / that keeps me from dancing / with the one I love / but my mind holds the key

Und dann kommt wieder ein Song daher, der sich von allen anderen unterscheidet und sich trotzdem nahtlos einfügt. Sehr bluesig, aber durch die wieder einsetzenden Kirchenorgeln irgendwie sakral (Da, jetzt hab ichs auch gesagt!). Vielleicht der traurigste Song des Albums, der in der Mitte nochmal richtig Gas gibt. 10/10

Im Durchschnitt eigentlich eine 8,6/10 Punkten, aber der Durchschnitt ist nicht alles, daher klare 10/10 Punkten.

www.arcadefire.com