Samstag, April 19, 2008

Motorpsycho - Little Lucid Moments

Ich hatte ja schon immer ein gespaltenes Verhältnis zu Motorpsycho. Das liegt vielleicht daran, dass der erste Song, den ich von der Band gehört habe, "Vortex Surfer" war. Ich halte dieses Lied immer noch für eines der besten Stücke Rockmusik. Der Wechsel von Ruhig zu explodierender Lautstärke gelingt in diesem Song, wie kaum sonstwo. Smashing Pumpkins fallen einem als Band, die ähnliches schaffen konnten, ein. Dagegen verblasste der Rest der Musik, die Motorpsycho erschufen, drastisch. Vor allem die Retrorock-Phase mit psychedelischen Einsprenkelungen überzeugte mich nicht wirklich. So war für mich Motorpsycho eine Band, die sowohl mit das Beste und gleichzeitig mit das Langweiligste spielten. Die neueren Alben habe ich dann immer nur kurz angespielt und dann ignoriert.
Und jetzt, "Little Lucid Moments". Ein Album bestehend aus 4 Songs, keiner unter 10 min. Beginnend mit einer Suite. Eine Suite (Wikipedia: "Eine Suite (von frz. = Folge) ist in der Musik ein Zyklus von Instrumental- oder Orchesterstücken, der in einer vorgegebenen Abfolge ohne längere Pausen gespielt wird. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts etablierte sich daneben der Name Partita, im 18. Jahrhundert wurden Suiten auch als Ouvertüre bezeichnet.) auf einem Rockalbum? Der ganze Aufbau des Albums und der Musik erinnert in der Tat an Klassik. Somit haben Motorpsycho so eine Art klassisches Rockopus geschaffen. Ruhigere Abschnitte wechseln sich ab mit schnelleren Passagen. Themen tauchen auf und werden später wieder aufgegriffen. Dabei erinnert "Suite: Little Lucid Moments" immer noch sehr stark an ein 60er - 70er Jahre Rockepos. Diesmal allerdings in der interessanteren Form.
Der zweite Song "Year Zero" ist sicherlich das beste Stück auf dem Album und lässt den Retrorock fast hinter sich, um in Postrock-Gefilde abzudriften. Großartig.
Die letzten beiden Stücke "She left on the sun ship" und "The Alchmyst" sind dann irgendwie ein Amalgam aus Retrorock und Postrock.

Alles in allem ein gelungenes Album, dass diesmal sicherlich nicht von mir ignoriert wird.
7/10

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