Überall ist die Arcade Fire in aller Munde. Und alle Kritiken jubeln das Album in höchste Höhen und nachdem ich ein paar Mal das Album gehört kann ich nur sagen: Recht haben Sie!
Als erstes fällt auf, wie abwechslungsreich die Platte ist. Schräge Kirchenorgeln sind genauso dabei, und diese sind wahrscheinlich Schuld daran, dass das Album als eine gradezu kirchliche Zeremonie gelobt wird, was irgendwie schon übers Ziel hinausschießt, so wie elektronisches Geflirre und folkige Gitarren. Dazu nahezu immer ein sehr gewaltiges Schlagzeug. Es braucht allerdings einiges Hören, um in das Album richtig einzutauchen, aber schließlich werden einem die Songs so vertraut, dass selbst die Songs im Mittelteil, die einem erst weniger gut gefiehlen plötzlich richtig gut erscheinen. Sicherlich bestes Album des ersten Viertels des Jahres und heißer Anwärter auf einer der oberen Plätze in den Jahrescharts. Die nächsten Veröffentlichungen werden sich an Arcade Fire messen lassen müssen.
10/10
Einzelkritik:
Black Mirror:
Mirror, Mirror on the wall / show me where them bombs will fall
Guter Einstieg in das Album. Düster und mit nettem Geklimper im Hintergrund. Erinnert mich stellenweise an Pulp in ihren dramatischen Liedern. 8/10
Keep the Car running:
If some night I'm not coming home / please don't think I've left you alone
Und plötzlich kommt da ein folkartiges Gitarrengedudel daher, dessen Groove einen mitreisst. Der Druck den der Song aufbaut wird ständig erhöht und lässt eigentlich bis zum finalen Paukenschlag nicht mehr nach. Gut. 7/10
Neon Bible:
In the Neon Bible, the Neon Bible / Not much chance for survival / if the Neon Bible is true
Als nächstes wird erstmal etwas Schwung herausgenommen. Neon Bible kommt ruhig daher, allerdings ist da ein etwas unruhiges elektronischer Gedrösel im Hintergrund und der Song hat eine etwas bedrohliche, finstere Atmosphäre. Trotzdem kommt er nicht ganz an die vorherigen Lieder heran. 6/10
Intervention:
Working for the church while your life falls apart / Signin' hallelujah with the fear in your heart / Every spark of friendship and love will die without a home
Gewaltig dröhnen Kirchenorgeln aus den Lautsprechern und, wie üblich, steigert sich der Song ständig, um unaufhaltsam auf den finalen Höhepunkt zu zusteuern. Großartig. 9/10
Black Wave:
There is a great black wave in the middle of the sea / for me / for you / for me / it's always for you
Ein Song aus zwei Teilen. Erst eine irgendwie bedrohlich, paranoide Einleitung, hübsch von einer weiblich Stimme untermalt, dann der Bruch und der Sänger übernimmt. Und am Ende dann ein nahezu nahtloser Übergang in den nächsten Song. 9/10
Ocean of Noise:
An ocean of noise / I first heard your voice / Now who here among us / Still believes in choice? / Not I!
Irgendwie ein Song den ich als pulp fictionig bezeichnen würde, der dann irgendwie zu einem Nick Cave Crossover wird und schließlich Erinnerungen an Godspeed! You Black Emperor wachrüttelt und in einem Bläseroutro mündet. Was will man mehr? 10/10
The Well & the Lighthouse:
She said, "You fool, now that you know your end is near; / You always fall for what you desire or what you fear!"
Vielleicht der Song der am ehesten an einen konventionellen Indiepopsong erinnert. 9/10
Building Downtown (Antichrist Television Blues):
Irgendwie erinnert mich der Song an den Boss. Ja, an Bruce Springsteen. Und trotzdem funktioniert er irgendwie. Keine Ahnung warum. 9/10
Windowsill:
Don't wanna fight in a holy war / Don't want the salesmen knocking at my door / Don't wanna live in America no more
Ich kann nicht genau den Finger in die Wunde legen, aber der Song erinnert mich an etwas, aber ich kann nicht sagen an was. Ansonsten sehr breit und flächig. 8/10
No Cars Go:
Between the click of the light and the start of the dream
Höhepunkt des Albums. Wahnsinn! Besser kanns mans fast nicht mehr machen. 10/10
My Body Is A Cage:
My body is a cage / that keeps me from dancing / with the one I love / but my mind holds the key
Und dann kommt wieder ein Song daher, der sich von allen anderen unterscheidet und sich trotzdem nahtlos einfügt. Sehr bluesig, aber durch die wieder einsetzenden Kirchenorgeln irgendwie sakral (Da, jetzt hab ichs auch gesagt!). Vielleicht der traurigste Song des Albums, der in der Mitte nochmal richtig Gas gibt. 10/10
Im Durchschnitt eigentlich eine 8,6/10 Punkten, aber der Durchschnitt ist nicht alles, daher klare 10/10 Punkten.
www.arcadefire.com
Mittwoch, März 07, 2007
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1 Kommentar:
wenn ich dir da mal nicht in allen punkten recht geben muss! klasse album. nicht ganz so gut wie 'funeral' da der überraschungsmoment irgendwie fehlt, aber sehr grandios, opulent, witzig, abwechlungsreich, laut, leise, monströs, politisch. gebe verdiente 8/10.
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