Mittwoch, März 14, 2007

Reingehört

Placebo - Covers

Das neue Album von Placebo, welches nur aus diversen Coverversionen besteht. Enttäuschend, da die meisten Songs nur nachgespielt erscheinen und nicht wirklich neu interpretiert werden. Nur "Running Up That Hill" und "Johnny and Mary" zeigen etwas Mut. Das "Daddy Cool" von Boney M gecovert wird, wurde wohlwollend registriert. "Bigmouth Strikes Again", "20th Century Boy" und "I Feel You" sind allerdings mit den Originalen austauschbar. Daher 4/10.

The Cinematics - A Strange Education

Eine weitere 80er Revivalband. Schon sehr viel früher und auch besser von Interpol gehört. 5/10

Air - Pocket Symphony

Ein neues Air Album. Und irgendwie ist alles beim Alten. Wie heisst das Album? Talkie Walkie? Pocket Symphony? 10.000 Hz Legend? Austauschbare Namen und austauschbare Songs. Oh, doch nicht. Air haben jetzt auch Gastmusiker. Trotzdem sind die Zeiten von Moon Safari lange vorbei. 4/10

B.Fleischmann - Melancholie / Sendestrasse

Zwei 49 min Songs. Jeweils 30 sek hörbar. Keine Wertung, macht aber Geschmack auf die restlichen 48.30 min.

Stereo Total - Party Anticonformiste

Konnte diesem französischen Pop noch nie viel abgewinnen. Trotz teilweise deutschen Texten mit französischem Akzent, was wohl irgendwie niedlich rüberkommen soll. Vielleicht also auch wegen der deutschen Texte mit französischem Akzent. Und wegen der Musik. 3/10


Montag, März 12, 2007

Kurze: My Brightest Diamond - Tear it down

"Tear it down" ist ein Remix Album des 2006er Albums "Bring Me The Workhorse" von My Brightest Diamond. Die Remixe sind triphoppig bis elektronisch. My Brightest Diamond erinnert stark an Goldfrapp und Björk, und ich fand das Original interessanter als das, meiner Meinung nach, zu hoch gelobte Joanna Newsom Album "Ys".

Reszensionen hier: popmatters
eachnotesecure
boomkat

My Brightest Diamond: myspace
asthmatic kitty
homepage

Meine Wertung: My Brightest Diamond - Tear it down 7/10
My Brightest Diamond - Bring Me The Workhorse 8/10

Samstag, März 10, 2007

Im Blickpunkt - Klee Teil 1

Ein später Sommernachmittag am See. Du liegst träge auf einem Badetuch und lässt Dir die letzten Sonnenstrahlen auf den Balg scheinen. Du blickst über den See und Deine Gedanken streifen ab. Dabei hörst Du Klee und die Stimmung ist so perfekt, dass sie sich in Deinem Gedächtnis festsetzen wird.

Klee, eine Kölner Band, liegt irgendwo zwischen Blumfeld/Tocotronic, der Hamburger Schule im allgemeinen, den üblichen Deutsch-Pop-Gewächsen á la Wir sind Helden/Juli, sowie nicht zu überhörenden britischen Einflüssen. Dabei hat die Musik eine Leichtigkeit, die vor allem auf den älteren, elektronischeren Alben an Air erinnert, ohne so zu klingen.
Die Einflüsse der Band klingen so deutlich hervor, dass man beim Hören sich fragt, woher der Song einem so bekannt vorkommt, bis man merkt, dass klingt ja nach Tocos, Blumfeld, etc. oder blickt erstaunt, wenn man Hommagen an The Cure, New Order, etc. erkennt. Dabei sind die Songs trotzdem immer noch eindeutig Klee und werden vor allem von der unglaublichen Stimme der Sängerin zusammengehalten und einzigartig.
Dabei sind die Texte, die sich eigentlich immer mit der eigenen, privaten Welt befassen, von einer Lyrik, die sicherlich nicht an Blumfeld heranreicht, aber sicherlich die üblichen Deutsch-Pop-Gewächse weit hinter sich lässt.
So hört man denn Klee und lässt sich von den Liedern umgarnen und denkt, dass vielleicht doch noch alles gut wird, jetzt, vielleicht für länger, vielleicht für immer.

Klee - je länger je lieber

Erschienen 2004.

Für alle, die:

Das hier ist für alle die, / die es wissen / dass man alles kann / doch man muss nichts müssen

Schöner hymnischer Song, der einen direkt in das Album hineinzieht. Der Text ist das Programm der Band. 8/10

Tausendfach:

Doch wie er von der Liebe sprach / stach mir mitten ins Herz / tief und tausendfach

Schon mit den ersten Tönen wird klar: Blumfeld. 8/10

Mit Dir:

Ich glaub daran / dass alles einen Sinn macht / irgendwann

Schöner kleiner Popsong. 7/10

Gold:

Und jeden Augenblick gibts kein zurück / Wir sind Teil eines Ganzen dass größer ist / als du und ich

Hier zum ersten Mal auf diesem Album hört man einen der wichtigsten Einflüsse der Band heraus: New Order. Schöne Verbindung von Gitarren und elektronischen Spielereien. Und dann halt der New Order Bass. 7/10

Mein Geheimnis:

Britpop mit deutschen Texten. Interessant. 6/10

Zwei Fragen:

Und wenn ich dich zwei Fragen fragen würde / wär das / woran glaubst du / und wofür lebst du

Vielleicht bester Song des Albums. Fängt wie Blumfeld an und transformiert sich dann zu einem Tocotronic-Song, bis dann in der Mitte des Songs ein New Order Bass seine Aufmerksamkeit einfordert. Besser könnens Tocotronic auch nur in ihren besten Songs. 9/10

Gegen den Strom:

Aber die Sehnsucht ist stärker / als dass, was man uns diktiert

Ganz netter Song der auch gut anfängt, aber dann wird der Refrain irgendwie in den Sand gesetzt. Schade. 5/10

Solang du lebst:

Ist alles was entsteht / dem Leben nur wert / dass es zugrunde geht

Unglaublich, aber irgendwie erinnert der Song mich an einen Faith & the Muse Song. Ist natürlich nix gothicartiges, aber trotzdem. Und ne Art elektronische Sirene, die den Rhytmus vorgibt. Und natürlich das Faust-Zitat. 7/10

Wunschfrei:

Beginnt wie ein Tocotronic-Song, um dann in ein Coldplay Piano überzugehen. Und so wechselt sich der Song dann ab, zwischen Tocotronic Gitarrengeschrammel und ruhigem Coldplay-Piano.
6/10

Unser Film:

In unserm Film sind wir die Guten / in unserm Film gibts keine Toten

Wahnsinn, deutlicher kann man einen Song nicht zu einer The Cure Hommage machen. Das ist praktisch "Just Like Heaven". 8/10

Keine zehn Pferde:

Indie Gitarrenpop auf deutsch. Trotzdem reisst der Song nicht so mit, trotz "hey ho, let's go!" Attitüde. 5/10

Mein Zimmer:

Klingt irgendwie wie eine Blumfeld-Ballade. Ruhig und einschmeichelnd. Und zum Glück wird nicht von Äpfeln und Bäumen gesungen. 6/10

Gesamteindruck: 7/10

Im zweiten Teil dann das aktuelle Album "Zwischen Himmel und Erde".

Klee









Mittwoch, März 07, 2007

Arcade Fire - Neon Bible

Überall ist die Arcade Fire in aller Munde. Und alle Kritiken jubeln das Album in höchste Höhen und nachdem ich ein paar Mal das Album gehört kann ich nur sagen: Recht haben Sie!
Als erstes fällt auf, wie abwechslungsreich die Platte ist. Schräge Kirchenorgeln sind genauso dabei, und diese sind wahrscheinlich Schuld daran, dass das Album als eine gradezu kirchliche Zeremonie gelobt wird, was irgendwie schon übers Ziel hinausschießt, so wie elektronisches Geflirre und folkige Gitarren. Dazu nahezu immer ein sehr gewaltiges Schlagzeug. Es braucht allerdings einiges Hören, um in das Album richtig einzutauchen, aber schließlich werden einem die Songs so vertraut, dass selbst die Songs im Mittelteil, die einem erst weniger gut gefiehlen plötzlich richtig gut erscheinen. Sicherlich bestes Album des ersten Viertels des Jahres und heißer Anwärter auf einer der oberen Plätze in den Jahrescharts. Die nächsten Veröffentlichungen werden sich an Arcade Fire messen lassen müssen.
10/10

Einzelkritik:

Black Mirror:
Mirror, Mirror on the wall / show me where them bombs will fall

Guter Einstieg in das Album. Düster und mit nettem Geklimper im Hintergrund. Erinnert mich stellenweise an Pulp in ihren dramatischen Liedern. 8/10

Keep the Car running:
If some night I'm not coming home / please don't think I've left you alone

Und plötzlich kommt da ein folkartiges Gitarrengedudel daher, dessen Groove einen mitreisst. Der Druck den der Song aufbaut wird ständig erhöht und lässt eigentlich bis zum finalen Paukenschlag nicht mehr nach. Gut. 7/10

Neon Bible:
In the Neon Bible, the Neon Bible / Not much chance for survival / if the Neon Bible is true

Als nächstes wird erstmal etwas Schwung herausgenommen. Neon Bible kommt ruhig daher, allerdings ist da ein etwas unruhiges elektronischer Gedrösel im Hintergrund und der Song hat eine etwas bedrohliche, finstere Atmosphäre. Trotzdem kommt er nicht ganz an die vorherigen Lieder heran. 6/10

Intervention:
Working for the church while your life falls apart / Signin' hallelujah with the fear in your heart / Every spark of friendship and love will die without a home

Gewaltig dröhnen Kirchenorgeln aus den Lautsprechern und, wie üblich, steigert sich der Song ständig, um unaufhaltsam auf den finalen Höhepunkt zu zusteuern. Großartig. 9/10

Black Wave:
There is a great black wave in the middle of the sea / for me / for you / for me / it's always for you

Ein Song aus zwei Teilen. Erst eine irgendwie bedrohlich, paranoide Einleitung, hübsch von einer weiblich Stimme untermalt, dann der Bruch und der Sänger übernimmt. Und am Ende dann ein nahezu nahtloser Übergang in den nächsten Song. 9/10

Ocean of Noise:
An ocean of noise / I first heard your voice / Now who here among us / Still believes in choice? / Not I!

Irgendwie ein Song den ich als pulp fictionig bezeichnen würde, der dann irgendwie zu einem Nick Cave Crossover wird und schließlich Erinnerungen an Godspeed! You Black Emperor wachrüttelt und in einem Bläseroutro mündet. Was will man mehr? 10/10

The Well & the Lighthouse:
She said, "You fool, now that you know your end is near; / You always fall for what you desire or what you fear!"

Vielleicht der Song der am ehesten an einen konventionellen Indiepopsong erinnert. 9/10

Building Downtown (Antichrist Television Blues):

Irgendwie erinnert mich der Song an den Boss. Ja, an Bruce Springsteen. Und trotzdem funktioniert er irgendwie. Keine Ahnung warum. 9/10

Windowsill:
Don't wanna fight in a holy war / Don't want the salesmen knocking at my door / Don't wanna live in America no more

Ich kann nicht genau den Finger in die Wunde legen, aber der Song erinnert mich an etwas, aber ich kann nicht sagen an was. Ansonsten sehr breit und flächig. 8/10

No Cars Go:
Between the click of the light and the start of the dream

Höhepunkt des Albums. Wahnsinn! Besser kanns mans fast nicht mehr machen. 10/10

My Body Is A Cage:
My body is a cage / that keeps me from dancing / with the one I love / but my mind holds the key

Und dann kommt wieder ein Song daher, der sich von allen anderen unterscheidet und sich trotzdem nahtlos einfügt. Sehr bluesig, aber durch die wieder einsetzenden Kirchenorgeln irgendwie sakral (Da, jetzt hab ichs auch gesagt!). Vielleicht der traurigste Song des Albums, der in der Mitte nochmal richtig Gas gibt. 10/10

Im Durchschnitt eigentlich eine 8,6/10 Punkten, aber der Durchschnitt ist nicht alles, daher klare 10/10 Punkten.

www.arcadefire.com