Samstag, Mai 31, 2008

Album des Monats Mai: The Notwist - The Devil, You and Me

Nach langem Warten endlich wieder ein Album der Weilheimer Jungs. Und wie eigentlich immer ist eine Enttäuschung ausgeschlossen (und damit eine der wenigen Bands, denen das immer wieder gelingt). The Notwist setzen ihren Weg, den sie seit "12" genommen haben, unbeirrbar fort. Von daher gibt es keine wirklichen Überraschungen auf dem Album. Auf diesem wirklich großartigen Album fällt eigentlich nur "The Devil, You and Me" ab. Selbst "On Planet Off", dessen Rhytmusabteilung irgendwie an ein Amalgam aus Nine Inch Nails und Depeche Mode erinnert, ist ein starker Song. Niemand anderes als The Notwist ist in der Lage, elektronische Spielereien mit "Independent"-Musik und einer melancholischen Stimme und Stimmung zu verbinden. Und zusammengenommen klingt das einfach schön. Hinzu kommt, dass The Notwist seit... Ewigkeiten mich begleitet haben. Und während die meisten Bands, die man hörte, als man auf den ersten Notwist-Konzerten war, inzwischen in der Versenkung verschwunden sind, ist The Notwist immer noch präsent und bedeutender für die deutsche Musiklandschaft, als die meisten bekannten deutschen Bands, die sich seit 10 Jahren so herumtummeln. Und somit zurecht: die ersten 10/10 Punkte in diesem Jahr.

Where in this World


Gone Gone Gone


Und als Erinnerung, wie alles begann:

Death Cab for Cutie - Narrow Stairs

Es war wirklich schwierig in diesem Monat Mai das Album des Monats zu küren. Zwei altbekannte Bands drängten mit Wucht auf die vorderen Plätze. Ganz knapp auf Platz 2 gelandet: Death Cab for Cutie. Das Album hatte sich ja schon fulminant mit "I will possess your heart" angekündigt. Dies macht Lust auf mehr. Nach mehrmaligen Durchhören bleibt allerdings die Erkenntnis, dass dieser Song auch der beste des Albums geworden ist. Dies soll nicht heißen, dass der Rest der Songs schlecht ist, ganz im Gegenteil. Allerdings finde ich es immer etwas problematisch, wenn der "Burner" des Albums bereits als erste Single ausgekoppelt wird.
Death Cab machen weiter, wo sie mit ihren letzten Alben ausgehört haben. D.h. die Qualität der Aufnahmen wird sukzessive besser. Nach dem eher beschaulichen letzen Album "Plans" wird es jetzt allerdings wieder etwas rockiger (Bixby Canyon Bridge, I will possess your heart, long division, pity and fear), aber die eher ruhigen Stücke, wie auf Plans fehlen auch nicht (you can do better than me, grapevine fires, the ice is getting thinner). Absolute highlights des Albums: "i will possess your heart", "grapevine fires", "pity and fear" und "the ice is getting thinner".

9/10

Marilies Jagsch - Orbituary for a Lost Mind

Wenn ich an österreichische Musik denke, dann fällt mir hauptsächlich die entspannte Loungemusik ein, von Kruder bis Dorfmeister ein. Oder diese Toco-Band, deren Name mir gerade nicht einfällt. Und natürlich Mozart ;)
Aber Singer/Songwriter-Musik brachte ich bisher nicht mit dem Alpenländle in Verbindung. Umso überraschender die Entdeckung von Marilies Jagsch. Herzzereissende Lieder, vorgetragen von einer fragilen Stimme, die mich an jemanden erinnert, aber ich kann einfach nicht benennen an wen.
8/10

Isobel Campbell & Mark Lanegan - Sunday at Devil Dirt

Mark Lanegan hat eine illustre Geschichte hinter sich. So war er Frontmann der Screaming Trees von '83-2000. Er hat ein Soloalbum mit Kurt Cobain und Kris Novoselic als Unterstützung aufgenommen, er hatte ein Projekt mit Mitgliedern von Pearl Jam, Alice in Chains und the Walkabouts, ein weiteres mit Mitgliedern von Mudhoney und Dinosaur. Jetzt hier sein zweites Album mit der Ex-Belle & Sebastian Isobel Campbell. Wir befinden uns irgendwo im Süden Amerikas. Die Stimmung ist schwül und dunkel und Hoffnung, dass irgendwas besser werden könnte gibt es schon lange nicht mehr. Mark Lanegan haucht und raunt sich durch die Songs wie Leonard Cohen in seinen besten Songs. Isobel Campbell liefert dazu den perfekten Counterpart. Grandios.

8/10

Freitag, Mai 16, 2008

The Roots - Rising Down

"Neun Studioalben haben The Roots bisher im Laufe ihrer Karriere seit Mitte der 90er Jahre veröffentlicht und nicht jede Veröffentlichung war ein Volltreffer. Was dem Hip-Hop-Act aus Philadelphia allerdings immer gelungen ist, ist, sich jeder Art von Stillstand zu verwehren. Auch das neue Album "Rising Down" rückt die Meister des inhaltsschweren und organischen Hip-Hop in ein neues Licht.

Ist die Rede von Conscious Hip-Hop, also Rap abseits der harten Gangsta-Attitüde, spielen The Roots aus Philadelphia eine maßgebliche Rolle. The Roots mischen analogen und elektronischen Sound mit Rap, der sich vor kontroversen Inhalten nicht scheut. Als besonders bemerkenswert galt bei den Roots immer wieder der Schlagzeuger ?uestlove alias Questlove, dessen Drum-Skills ihresgleichen suchen. Zugaben wie das warme Rhodes-Piano oder Bläser komplettierten stets den so geschichtsbewussten wie frischen Sound der Roots.

"Rising Down" sei ihr bislang politischstes Album, gaben The Roots schon vor Erscheinen ihrer neuen Platte bekannt. Dass zunächst der Track "Birthday Girl" als erste Single-Auskopplung im Gespräch war, wirkte demnach ein wenig seltsam. Handelt es sich bei dem Stück doch um eine ungewöhnlich poppige, nahezu süßliche und absolut Maintream-taugliche Nummer. Inzwischen haben sich The Roots anders entschieden und das eher leichtgewichtige Stück sogar von der regulären US-Version ihres neuen Albums verbannt. Europäische Hörer kommen jedoch am Ende der Tracklist nach wie vor in den Genuss dieses eingängigen Songs, der jedoch stilistisch stark aus dem Rahmen fällt.

Auf "Rising Down" klingen The Roots alles andere als quietschvergnügt. An die Stelle des bezirzend-warmen Rhodes-Pianos ist inzwischen eine Auswahl düsterer und durchaus kantig klingender Synthies getreten, die eine gewisse harsche Kälte in den sonst eher wohligen Sound der Roots bringen. Auch Questlove bearbeitet sein Schlagzeug zwar nach wie vor mit Finesse, aber auch mit einer nicht zu überhörenden und aufbegehrenden Vehemenz. Conscious zu sein, bedeutet für die Roots weder leise noch anschmiegsam zu klingen. Die Band aus Philadelphia erkämpft sich im rezessionsgebeutelten US-Wahljahr Gehör, und zwar in erster Linie mittels eindringlicher Instrumentierung und einer beeindruckenden Gästeliste.

Black Thought, MC der Roots, bekommt auf "Rising Down" jede Menge stimmliche Unterstützung. Mit von der Partie sind unter anderem Common, Mos Def, Talib Kweli und Styles P. So vielfältig wie die ellenlange Gästeliste sind auch die Stimmungen, die sich aus der dunklen Grundatmosphäre des Albums herausschälen. Die düsteren Aspekte seien diesmal noch viel düsterer und die helleren viel heller, urteilt ?uestlove über das neue Album. Tatsächlich sollte jeder, der sich auch nur im Geringsten für ernsthaften HipHop interessiert, auf "Rising Down" mindestens ein Lieblingsstück finden. The Roots erfinden sich nicht nur mit jedem Album ein bisschen neu, sondern präsentieren diese kreative Flexibilität auch innerhalb der Tracklist ihrer aktuellen Platte." www.chello.at

7/10

Einmal das "Birthday Girl" Video:



Und das für das Album als Ganzes besser passende "Rising Down":

Donnerstag, Mai 01, 2008

Album des Monats - April

Portishead - Third

Tja, da gab es diese Band, die 1994 ein Album herausbrachten, in dessen Zug ein ganzes Genre aus der Taufe gehoben wurde, auch wenn sich Portishead niemals dieses Genres zugehörig gefühlt haben. Die Rede ist von Dummy und TripHop. Natürlich muss man fairerweise sagen, dass Massive Attack und Tricky sicherlich eher die Hauptacts des TripHop sind. Trotzdem sind Sour Times und Glory Box Hymnen dieses Genres. Portishead hatten schon immer diese verrauchte Hoffnungslosigkeit, getragen von Beth Gibbons fragiler Stimme, die ihre Verzweiflung in den Äther hauchte.
Ein Grund für den Status dieser Band ist sicherlich auch die Spärlichkeit ihrer Veröffentlichungen, und so ist Third tatsächlich erst das dritte Album in 14 Jahren.
Und was für ein Album nach einer über zehnjährigen Wartezeit dabei herausgekommen ist! Düster, elektronisch, verzweifelt. Third ist sicherlich besser als das zweite Album Portishead und braucht sich auch hinter Dummy nicht zu verstecken.
Besonderer Augenmerk möge auf We Carry On, Machine Gun (großartiger Song!), Small und Magic Doors gelenkt werden.

8/10

Videos: Machine Gun und alter Zeiten wegen: Sour Times



The Last Shadow Puppets - The Age of Understatement

Holla, da haben sich zwei Herren, einer der nebenbei in der Band Artic Monkeys spielt, und einer der zur Band The Rascals gehört, zusammen getan, um ein Album aufzunehmen. Direkt der Opener und Namensgeber The Age of Understatement ist ein mitreißender Song. Und auch der Rest ist nicht schlecht. Die Musik ist recht ungewöhnlich für ein Britpop-Amalgam und hat durch die Streicherarrangements eine gewisse Form der Anzughaftigkeit (ich weiß, dass das kein Wort ist), Coolness und ein gewisses james bondiges Etwas. Nettes kurzweiliges Album für zwischendurch. Anspieltipps: The Age of Understatement / Calm Like You / The Chamber / Black Plant

7/10

Videomania I

Eine neue Rubrik in der bedeutsame Videos vorgestellt werden sollen. Was auch immer das heißen mag.

Als Opener:

Radiohead - Street Spirits
1996, The Bends, Regisseur: Jonathan Glazer

Thom Yorke über den Song:
"Street Spirit is our purest song, but I didn't write it. It wrote itself. We were just its messengers; its biological catalysts. Its core is a complete mystery to me, and, you know, I wouldn't ever try to write something that hopeless. All of our saddest songs have somewhere in them at least a glimmer of resolve. Street Spirit has no resolve. It is the dark tunnel without the light at the end. It represents all tragic emotion that is so hurtful that the sound of that melody is its only definition. We all have a way of dealing with that song. It's called detachment. Especially me; I detach my emotional radar from that song, or I couldn't play it. I'd crack. I'd break down on stage. That's why its lyrics are just a bunch of mini-stories or visual images as opposed to a cohesive explanation of its meaning. I used images set to the music that I thought would convey the emotional entirety of the lyric and music working together. That's what's meant by 'all these things you'll one day swallow whole'. I meant the emotional entirety, because I didn't have it in me to articulate the emotion. I'd crack...

Our fans are braver than I to let that song penetrate them, or maybe they don't realise what they're listening to. They don't realise that Street Spirit is about staring the fucking devil right in the eyes, and knowing, no matter what the hell you do, he'll get the last laugh. And it's real, and true. The devil really will get the last laugh in all cases without exception, and if I let myself think about that too long, I'd crack.

I can't believe we have fans that can deal emotionally with that song. That's why I'm convinced that they don't know what it's about. It's why we play it towards the end of our sets. It drains me, and it shakes me, and hurts like hell every time I play it, looking out at thousands of people cheering and smiling, oblivious to the tragedy of its meaning, like when you're going to have your dog put down and it's wagging its tail on the way there. That's what they all look like, and it breaks my heart. I wish that song hadn't picked us as its catalysts, and so I don't claim it. It asks too much. I didn't write that song."

Quelle: wikipedia