1. Tocotronic - Kapitulation
2. Radiohead - In Rainbows
3. Arcade Fire - Neon Bible
4. Maximo Park - Our Earthly Pleasures
5. Sigur Ros - Hvarf/Heim
6. Gravenhurst - The Western Lands
7. Six Organs of Admittance - Shelter from the Ash
8. Editors - An End Has A Start
9. Kinski - Down below it's Chaos
10. You Say Party! We Say Die! - Lose all Time
Jedes Jahr das Gleiche. Kurz vor oder nach Weihnachten muss das ganze vorherige Musikjahr Revue passiert werden und man bastelt sich eine Top-Liste zusammen. Dabei vergisst man grundsätzlich irgendetwas, ist mit der exakten Platzierung unzufrieden (soll dieser oder jener Interpret auf Platz 4 oder doch eher auf Platz 5), Birnen müssen mit Äpfeln verglichen werden und am Ende sind dann doch die üblichen Alternativ-Geschichten ganz oben und das geile Elektronik-Album landet dann doch auf den hinteren Plätzen, obwohl, eigentlich sollte es ja doch viel höher, aber dieses eine Gitarrenalbum muss dann doch auf diesen oder jenen Platz, etc.
Furchtbar stressig!
Dank des Blogs dann doch etwas entspannter diesmal. Die Platzierung zeichneten sich schon frühzeitig ab, man vergaß nichts wichtiges. Nur noch ein bißchen mit den Charts die eh schon da waren rumspielen und fertig.
Hier nun nur noch ein paar Kommentare:
- Platz 1 war irgendwie vorzeitig klar. Sicher eines der besten Toco-Alben und nach dem Konzert ist dann die Entscheidung gefallen: Da kommt nix besseres. Kam dann auch nicht.
Vielleicht trug auch die fast nicht vorhandene Radioexposition dazu bei, die einen Überdruß einiger Songs schlicht verhinderte.
- Radiohead dann am Ende doch besser als Arcade Fire. Auch wenns einiges an Hören abverlangt hat. Aber das ist ja normal.
- Über Neon Bible ist schon alles gesagt worden. Ob Funeral nun besser war oder nicht, trägt ja nix zur Jahresplatzierung bei.
- Maximo Park sicher die größte Überraschung für mich dieses Jahr. Die erste fand ich nur so lala, aber dieses Album ist sicher das Beste was an BritPop-Erscheinungen dieses Jahr herausgekommen ist.
- Sigur Ros nur im Mittelfeld, aber zu viele alte Lieder reichen dann nicht für eine höhere Platzierung und Videos werden hier nicht bewertet.
- Beim ersten Hören des neuen Gravenhurst-Albums machte sich erst Enttäuschung breit. Aber nach langem Hören tauchten die Perlen dann plötzlich auf. Sicherlich das Album das am Meisten durch das Hören gewonnen hat und dessen Platzierung sich am Ende noch dramatisch verbessert hat.
- Six Organs of Admittance. Noch sehr frisch, daher eventuell zu hoch.
- Das Editor-Album halte ich für das Beste der dieses Jahr hereingeschwappten New Wave Revivalwelle. Basta! Der Rest schaffte es dann nicht mehr in die Top Ten.
- Kinski war ein Zufallsfund auf iTunes. Nette Kanadische Gitarrenband.
- You Say Party! We Say Die! war ein Spontankauf und es dauerte bis ich mich richtig mit dem Album beschäftigt hatte. Anleihen an Siouxie, vor allem in der Stimme. Und Anwärter auf den coolsten Bandnamen.
Alles in allem war das Jahr garnicht so schlecht.
Flops des Jahres: Bloc Party, Interpol
Honorary Mentioning: Nick Cave - The Assassination of Jesse James (muss den Film noch sehen), Die Collector's Edition von Closer, Unknown Pleasures und Still.
Samstag, Dezember 15, 2007
Sonntag, Juli 08, 2007
Digitalism - Idealism
Ein kleiner Ausflug in die elektronische Szene. Es gibt ja immer mal wieder Projekte und Kombos, die als die Daft Punk Nachfolger gehandelt werden. Digitalism ist sicherlich jemand, der ein heißer Anwärter auf diesen Titel ist. Das Kuriose: Sie sind keine Franzosen, sondern Deutsche. Es ist aber die Abwechslung, die Idealism hervorhebt. Es gibt Songs, die an Daft Punk erinnern und Magnets ist sicherlich der Daft Punk Song schlechthin, und es geht erstmal in Daft Punk Manier weiter, bevor der Break kommt. Ausgerechnet mit einer Hommage an The Cures "Fire in Cairo". Hübsche Idee. Dann kommt der Kracher des Albums Pogo, der irgendwie Elektronik mit Britpop vermischt. Absoluter Mitgeher-Song. Der Rest des Albums ist dann ein netter Strauss voller elektronischer Klänge. Immer überraschend und spannend. Heisser Anwärter auf das beste Elektro-Album des Jahres. 8/10
Marilyn Manson - Eat Me, Drink Me
Marilyn Manson kann man mögen oder auch nicht. Für die einen ist er entweder ein durchgeknallter Typ, der arme Jugendliche vom rechten Weg abbringt. Es gibt aber sicherlich Bands, die die christlichen Eiferer Amerikas weitaus mehr auf die Palme bringen sollten. Allerdings haben diese sicher nicht die Massenwirkung, die Marilyn Manson hat. Man kann die Musik und die Texte sicherlich auch als leicht juvenil betrachten. Ernst nehmen sollte man diese Band sicherlich nicht. Stattdessen kann man aber die schon gnadenlose Stringenz beeindruckend finden, mit der hier ein Gesamtkunstwerk abgeliefert wird. Es ist nicht nur die Musik, die das Kunstwerk ausmacht, sondern auch das Styling, dass bei den Videos beginnt (und die sicherlich zu dem enormen Erfolg von Antichrist Superstar einen gewaltigen Beitrag geleistet haben) über die Konzerte geht und auch vor den Bandmitgliedern nicht haltmacht. Das gesamte Styling der Personen wird dem Styling des gerade aktuellen Albums unterworfen. Das neue Album Eat Me, Drinke Me bildet da keine Ausnahme. Die Musik ist etwas weniger hart, als das vorherige und popkompatibler. Es erinnert an Mechanical Animals, welches einer der Höhepunkte des Schaffens von Marilyn Manson darstellt. Die Musik ist typisch Marilyn Manson und die Höhepunkte Just a Car Crash away, Heart-shaped Glasses und Eat Me, Drink Me gehören zu dem Besten, was die Band herausgebracht hat. 7/10
Album des Monats Mai: Björk - Volta
Ein neues Lebenszeichen der isländischen Sirene ist immer ein Grund erwartungsvoll der Klänge zu harren, die da auf einen warten. Im Gegensatz zu Madonna, die ihre Produzenten so aussucht, dass sie immer einen Schritt hinter der Innovationsfront ist und somit das gerade angesagte in ihrer Musik verwurstet, kann man sicher sein, dass Björk der Zeit immer einen Schritt voraus ist oder etwas völlig abgefahrenes zum Besten gibt (z.B. Medúlla). Volta ist jetzt ein eher konventionelles Björk-Album, falls man von konventionell in ihrem Fall sprechen kann. Die Songs sind weitaus massenkompatibler, als dies ihre letzten Alben waren und erinnert irgendwie an alte Alben wie Post oder Homogenic. Insgesamt ein solides Album, wenn es auch vielleicht nicht mit dem besten Material von ihr mithalten kann. Für ein Album des Monats reicht es aber allemal.
Bewertung: 8/10 (Song-Durchschnitt 7,1/10, aber die guten Songs lassen den Gesamteindruck etwas höher erscheinen.)
Einzelkritik:
Earth Intruders: Erinnert an Army of Me. 7/10
Wanderlust: Hammersong. Schiffsgetröte am Anfang (mal wieder Hafenassoziationen) und dann ein Wahnsinns-Wummer-Beat. Definitiv Höhepunkt des Albums. 9/10
Dull Flame of Desire: Es geht wirklich sehr gut weiter. Der Song weckt Erinnerungen an Selmasongs. Sowohl wegen des Arrangements als auch wegen des Duetts. 9/10
Innocence: Plötzlich einsetzender, abgehackter Beat. Sehr nett. 8/10
I See Who You Are: Ein typischer Klimper-Björk-Song. 7/10
Vertebrae by Vertebrae: Bläsersong. Schon interessant, reisst aber nicht so mit, wie die vorherigen. 6/10
Pneumonia: Irgendwie sehr bläserorientiert dieses Album. Hier wähnt man sich in einer Jagdgesellschaft in den Bergen. Ansonsten sehr ruhig und zurückhaltend. 6/10
Hope: Jetzt wird wieder ein Gang zugelegt. Nettes Geklimper und ein Beat der zum Mitwippen anregt. 7/10
Declare Independence: Björks Punksong. Erinnert irgendwie an Peaches. Aber Björk ist halt kein Punk. 4/10
My Juvenile: Nochmal ein netter Klimpersong zum Abschied. 8/10
Bewertung: 8/10 (Song-Durchschnitt 7,1/10, aber die guten Songs lassen den Gesamteindruck etwas höher erscheinen.)
Einzelkritik:
Earth Intruders: Erinnert an Army of Me. 7/10
Wanderlust: Hammersong. Schiffsgetröte am Anfang (mal wieder Hafenassoziationen) und dann ein Wahnsinns-Wummer-Beat. Definitiv Höhepunkt des Albums. 9/10
Dull Flame of Desire: Es geht wirklich sehr gut weiter. Der Song weckt Erinnerungen an Selmasongs. Sowohl wegen des Arrangements als auch wegen des Duetts. 9/10
Innocence: Plötzlich einsetzender, abgehackter Beat. Sehr nett. 8/10
I See Who You Are: Ein typischer Klimper-Björk-Song. 7/10
Vertebrae by Vertebrae: Bläsersong. Schon interessant, reisst aber nicht so mit, wie die vorherigen. 6/10
Pneumonia: Irgendwie sehr bläserorientiert dieses Album. Hier wähnt man sich in einer Jagdgesellschaft in den Bergen. Ansonsten sehr ruhig und zurückhaltend. 6/10
Hope: Jetzt wird wieder ein Gang zugelegt. Nettes Geklimper und ein Beat der zum Mitwippen anregt. 7/10
Declare Independence: Björks Punksong. Erinnert irgendwie an Peaches. Aber Björk ist halt kein Punk. 4/10
My Juvenile: Nochmal ein netter Klimpersong zum Abschied. 8/10
Montag, April 30, 2007
Album des Monats April: Maximo Park - Our Earthly Pleasures
Ein wahnsinnig gutes zweites Album haben die Jungs von der Insel da abgeliefert. Normalerweise ist ja das verflixte zweite Album ein großes Problem für Bands, die mit ihrem Debut schon großen Erfolg hatten (siehe Bloc Party), aber Maximo Park haben sich selbst übertroffen. Dabei muss ich gestehen, dass der Hype um das erste Album "A Certain Trigger" etwas an mir vorbeigegangen ist, hauptsächlich, weil ich die Songs etwas zu fahrig und in sich selbst zerrissen fand. Melodiestrukturen wurden immer wieder wie aus dem Nichts unterbrochen und dadurch der Groove zerstört. Dies wird auf "Our Earthly Pleasures" vermieden. Stattdessen erscheinen die Songs jetzt aus einem Guß und dadurch eventuell auch etwas poppiger, als auf "A Certain Trigger". Aber immer noch sind Maximo Park angenehm anders als andere Bands aus Britannien, eine Eigenschaft, die sie mit Bloc Party gemeinsam haben. Ein Song ist sofort als Maximo Park Song beim ersten Hören zu identifizieren und nicht als einer der auswechselbaren Songs einer der zahlreichen "The ..." Bands. Dies wird sicherlich auch noch durch den Gesang unterstützt, bei dem der Newcastle Akzent des Sängers erfrischend anders als anderer britischer Gesang klingt.
9/10 (8/10 nach Durchschnitt der Songbewertung)
Girls Who Play Guitars:
Straighter Rocksong mit krachenden Gitarren. Trotzdem einer der schwächeren Stücke.
6/10
Our Velocity:
Absoluter Kracher. Gute erste Single.
9/10
Books from Boxes:
Ruhigerer Song. Wahnsinnig eingängig mit einem unglaublichen Refrain. Dazu kommt, dass der Newcastle-Akzent richtig rauszuhören ist.
10/10
Russian Literature:
Hier wurde mal auf ein Klavier zurückgegriffen, bevor die Gitarre wieder die Kontrolle übernimmt. Im weiteren Verlauf wird der Song immer bombastischer.
8/10
Karaoke Plays:
Der Song erinnert etwas an einen Muse-Song, wenn sich plötzlich eine Gitarrenwand aufbaut und alles extrem hymnisch wird. Mit einer Muse-Stimme sicherlich kaum akzeptabel, so allerdings funktioniert.
7/10
Your Urge:
Solider Maximo Park-Song.
8/10
The Unshockable:
Hammerrhythmus. Der Song reisst mit und lässt einen nicht mehr los.
10/10
By the Monument:
Auf den einen Kracher folgt der nächste Song, der einen umhaut. Hier ist man am Höhepunkt des Album angekommen.
10/10
Nosebleed:
Nach den beiden vorherigen Song hat es Nosebleed etwas schwer. Ist für sich selber genommen aber immer noch eine Perle.
8/10
A Forthnight's Time:
Der nächste Song, den ich als typisch Maximo Park bezeichnen würde. Ein leicht gebrochener Rhythmus, der im Refrain dann irgendwie smoother wird.
9/10
Sandblasted and Set Free:
Einer der wenigen ruhigen Songs (siehe Books from Boxes). Im Refrain werden dann wieder die Gitarren rausgeholt. Trotzdem schafft er es nicht ganz den Charme von Books from Boxes zu entfalten, vor allem da er doch vielleicht am konventionellsten von allen Songs klingt.
7/10
Parisian Skies:
Der letzte Songs des Albums plätschert irgendwie so vor sich her. Außerdem erinnert mich an irgendeinen anderes Lied, aber es will mir nicht einfallen, welches das sein könnte.
6/10
9/10 (8/10 nach Durchschnitt der Songbewertung)
Girls Who Play Guitars:
Straighter Rocksong mit krachenden Gitarren. Trotzdem einer der schwächeren Stücke.
6/10
Our Velocity:
Absoluter Kracher. Gute erste Single.
9/10
Books from Boxes:
Ruhigerer Song. Wahnsinnig eingängig mit einem unglaublichen Refrain. Dazu kommt, dass der Newcastle-Akzent richtig rauszuhören ist.
10/10
Russian Literature:
Hier wurde mal auf ein Klavier zurückgegriffen, bevor die Gitarre wieder die Kontrolle übernimmt. Im weiteren Verlauf wird der Song immer bombastischer.
8/10
Karaoke Plays:
Der Song erinnert etwas an einen Muse-Song, wenn sich plötzlich eine Gitarrenwand aufbaut und alles extrem hymnisch wird. Mit einer Muse-Stimme sicherlich kaum akzeptabel, so allerdings funktioniert.
7/10
Your Urge:
Solider Maximo Park-Song.
8/10
The Unshockable:
Hammerrhythmus. Der Song reisst mit und lässt einen nicht mehr los.
10/10
By the Monument:
Auf den einen Kracher folgt der nächste Song, der einen umhaut. Hier ist man am Höhepunkt des Album angekommen.
10/10
Nosebleed:
Nach den beiden vorherigen Song hat es Nosebleed etwas schwer. Ist für sich selber genommen aber immer noch eine Perle.
8/10
A Forthnight's Time:
Der nächste Song, den ich als typisch Maximo Park bezeichnen würde. Ein leicht gebrochener Rhythmus, der im Refrain dann irgendwie smoother wird.
9/10
Sandblasted and Set Free:
Einer der wenigen ruhigen Songs (siehe Books from Boxes). Im Refrain werden dann wieder die Gitarren rausgeholt. Trotzdem schafft er es nicht ganz den Charme von Books from Boxes zu entfalten, vor allem da er doch vielleicht am konventionellsten von allen Songs klingt.
7/10
Parisian Skies:
Der letzte Songs des Albums plätschert irgendwie so vor sich her. Außerdem erinnert mich an irgendeinen anderes Lied, aber es will mir nicht einfallen, welches das sein könnte.
6/10
Dienstag, April 03, 2007
"Wir sind politisch und sexuell anders denkend"
Es hat uns niemand gefragt
wir hatten noch kein Gesicht
ob wir leben wollten oder lieber nicht
hin und her und hin- und her gerissen
zwischen verstehen wollen und handeln müssen
keine Liebe, keine Arbeit, kein Leben
an meinem Kissen schlag' ich mir den Kopf auf
und wenn der Tag kommt bleibt es kleben
Und der Staat ist kein Traum
sondern bleibt wie mein Kissen
ein mich gestaltender, die Fäden, die rissen
und Welt verwaltender Zustand
der sich durch mich und mich bewegt
durch Gedanken aus Stein, aus Licht eine Mauer
eine Sonne aus Eisen und eine Sprache aus Trauer
Eine eigene Geschichte
aus reiner Gegenwart
sammelt und stapelt sich
von selbst herum um mich
während ich durch die Gegend fahr
- Eine eigene Geschichte, L'etat et moi
Eine der einflußreichsten Bands der Hamburger Schule schließt ihre Pforten, zieht einen Schlußstrich, verstummt. Während die Sterne die Prolls waren und Tocotronic ,die schüchternen Jungs, die auf ihre Turnschuhe starrten, bis sie erwachsen wurden, waren Blumfeld schon immer die intellektuellen ("geistig, [allein] vom Verstand her") und erwachsenen unter diesen Bands. Vor allem in den ersten beiden Alben, "Ich-Maschine" und "L'etat et moi", zeigten sie, dass es möglich ist, komplexe deutsche Texte zu schreiben, die jenseits von Schlager und Volksmusik Herz-Schmerz und Heile Welt Geseier liegen.
Gerade diese Texte, unabhängig von der Musik, machten es auch Vielen schwer diese Band zu verstehen und zu 'erfühlen'. Dabei waren sie, zusammen mit den genannten Bands, die Wegbereiter der "Neuen Neuen Deutschen Welle" die Bands wie Silbermond, Juli, Wir sind Helden, Mia u.a. hervorgebracht haben.
Lass uns von den Geistern sprechen, die ich rief.
ich will morden
den Apparat, der Dich und mich
bloß Apparat sein läßt
Wenig später wird ein Körper
eine Narbe aus Beton sein
wenig später wird jeder Nerv in Napalm
gelegt und verbrannt sein
Stirb oder sei wie wir
- Von der Unmöglichkeit, "Nein" zu sagen, ohne sich umzubringen, Ich-Maschine
Was diese Bands von ihren späteren Nachfolgern unterscheidet, ist, durch ihre Entstehung Anfang bis Mitte der 90'er Jahre bestimmt, ein klares Statement gegen eine neue Deutschtümelei, die in ihrer Naivität, der Hoffung auf bessere Quote und Geld, nicht weniger gefährlich ist, als die aggressive "gegen alles nicht-deutsche" rechte Gesinnung, die immer noch, wie ein Gespenst durch diese Republik geistert. Sie ist in vielerlei Hinsicht gefährlicher, da sie schleichend in die Hirne dringt und Haltungen und Gedanken hoffähig macht, die uns wieder in die dunkle Vergangenheit zurückwerfen. Die Freude ist groß, woran es auch liegt, sie schwenken dazu ihre Fahnen. Es geht wieder los, sie singen ihr Lied, unschuldig wie einst ihre Ahnen. (Deutschland der Deutschen, Ein Lied mehr).
Blumfeld waren schon immer politisch, auch wenn die Sicht auf die Situation immer von Innen, von dem eigenen Ich, aus gesehen wird. Persönlich und nicht abstrakt. Und die politische Haltung war immer links, gegen die Zustände, die krank machen, die Zwänge, die von der entsozialisierten Marktwirtschaft auf die Menschen geworfen werden. Funktionier' oder stirb.
Umso erschreckender für die Lage der Nation, ist es, dass eine solche Band ein klares Statement gegen eine Deutsch-Quote im Radio abgeben musste, um nicht für diese Bewegung eingenommen zu werden. Blumfelds Lieder und Texte haben ihre Haltung gegenüber solche Anliegen mehr als deutlich gemacht, wenn man sich denn damit auseinandergesetzt hätte.
In den letzten Jahren, vor allem mit dem letzten Album der Band, hat sich Blumfeld von den deutlichen politischen Statements entfernt, die sie vorher von sich gegeben haben und haben sich zurückgeworfen auf das eigene Ich, entfernt von der Welt der Menschen und dadurch der Welt nähergekommen. Die Welt, die da draussen auch existiert, jenseits von Medien, Markt und Politik. Die Welt, die aus Pflanzen, Tieren, Blumen, Käfern und Bäumen besteht. Und gerade damit haben sie ein Zeichen gesetzt, das vielleicht deutlicher ist, als zuvor. Ein lautes Nein von hier zur Wand.
Und vielleicht ist damit alles gesagt worden, was zu sagen war. Und es war Zeit zu gehen. Vielleicht aber fehlt jetzt auch eine Stimme, die sich gegen die Mias und Schäubles dieser Tage wendet. Aber wenn Jochen Distelmeier alleine weiter Musik macht, dann ist die Stimme doch noch nicht verstummt, wenn er sich denn nicht im Hain der Apfelbäume verliert.
Status: Quo Vadis
stets dem Leben zu
hüten wir die Schwelle
zwischen Ich und Du
Sorge braucht Zusammenhänge
Zärtlichkeit braucht Zeit
Musik für eine andere Wirklichkeit
- Status: Quo Vadis, Old Nobody
Jetzt ist "Ein Lied mehr (The Anthology Archives Vol. 1)" erschienen, welches neben den kompletten ersten drei Alben (Ich-Maschine, L'etat et moi und Old Nobody), eine Live-CD und eine CD mit alternativen Versionen von Songs (zu empfehlen: Verstärker), sowie zwei neuen Liedern, ein Cover (The Law von Leonard Cohen) und Deutschland der Deutschen, enthält. Für diejenigen unter uns, die die ersten drei Alben noch nicht ihr eigen nennen, mehr als lohnend, für alle anderen ist allerdings etwas zu wenig Inhalt vorhanden.
Wertungen:
Ich-Maschine 9/10
L'etat et moi, 10/10
Old Nobody, 9/10
Testament der Angst, 10/10
Jenseits von Jedem, 5/10
Verbotene Früchte, 7/10
wir hatten noch kein Gesicht
ob wir leben wollten oder lieber nicht
hin und her und hin- und her gerissen
zwischen verstehen wollen und handeln müssen
keine Liebe, keine Arbeit, kein Leben
an meinem Kissen schlag' ich mir den Kopf auf
und wenn der Tag kommt bleibt es kleben
Und der Staat ist kein Traum
sondern bleibt wie mein Kissen
ein mich gestaltender, die Fäden, die rissen
und Welt verwaltender Zustand
der sich durch mich und mich bewegt
durch Gedanken aus Stein, aus Licht eine Mauer
eine Sonne aus Eisen und eine Sprache aus Trauer
Eine eigene Geschichte
aus reiner Gegenwart
sammelt und stapelt sich
von selbst herum um mich
während ich durch die Gegend fahr
- Eine eigene Geschichte, L'etat et moi
Eine der einflußreichsten Bands der Hamburger Schule schließt ihre Pforten, zieht einen Schlußstrich, verstummt. Während die Sterne die Prolls waren und Tocotronic ,die schüchternen Jungs, die auf ihre Turnschuhe starrten, bis sie erwachsen wurden, waren Blumfeld schon immer die intellektuellen ("geistig, [allein] vom Verstand her") und erwachsenen unter diesen Bands. Vor allem in den ersten beiden Alben, "Ich-Maschine" und "L'etat et moi", zeigten sie, dass es möglich ist, komplexe deutsche Texte zu schreiben, die jenseits von Schlager und Volksmusik Herz-Schmerz und Heile Welt Geseier liegen.
Gerade diese Texte, unabhängig von der Musik, machten es auch Vielen schwer diese Band zu verstehen und zu 'erfühlen'. Dabei waren sie, zusammen mit den genannten Bands, die Wegbereiter der "Neuen Neuen Deutschen Welle" die Bands wie Silbermond, Juli, Wir sind Helden, Mia u.a. hervorgebracht haben.
Lass uns von den Geistern sprechen, die ich rief.
ich will morden
den Apparat, der Dich und mich
bloß Apparat sein läßt
Wenig später wird ein Körper
eine Narbe aus Beton sein
wenig später wird jeder Nerv in Napalm
gelegt und verbrannt sein
Stirb oder sei wie wir
- Von der Unmöglichkeit, "Nein" zu sagen, ohne sich umzubringen, Ich-Maschine
Was diese Bands von ihren späteren Nachfolgern unterscheidet, ist, durch ihre Entstehung Anfang bis Mitte der 90'er Jahre bestimmt, ein klares Statement gegen eine neue Deutschtümelei, die in ihrer Naivität, der Hoffung auf bessere Quote und Geld, nicht weniger gefährlich ist, als die aggressive "gegen alles nicht-deutsche" rechte Gesinnung, die immer noch, wie ein Gespenst durch diese Republik geistert. Sie ist in vielerlei Hinsicht gefährlicher, da sie schleichend in die Hirne dringt und Haltungen und Gedanken hoffähig macht, die uns wieder in die dunkle Vergangenheit zurückwerfen. Die Freude ist groß, woran es auch liegt, sie schwenken dazu ihre Fahnen. Es geht wieder los, sie singen ihr Lied, unschuldig wie einst ihre Ahnen. (Deutschland der Deutschen, Ein Lied mehr).
Blumfeld waren schon immer politisch, auch wenn die Sicht auf die Situation immer von Innen, von dem eigenen Ich, aus gesehen wird. Persönlich und nicht abstrakt. Und die politische Haltung war immer links, gegen die Zustände, die krank machen, die Zwänge, die von der entsozialisierten Marktwirtschaft auf die Menschen geworfen werden. Funktionier' oder stirb.
Umso erschreckender für die Lage der Nation, ist es, dass eine solche Band ein klares Statement gegen eine Deutsch-Quote im Radio abgeben musste, um nicht für diese Bewegung eingenommen zu werden. Blumfelds Lieder und Texte haben ihre Haltung gegenüber solche Anliegen mehr als deutlich gemacht, wenn man sich denn damit auseinandergesetzt hätte.
In den letzten Jahren, vor allem mit dem letzten Album der Band, hat sich Blumfeld von den deutlichen politischen Statements entfernt, die sie vorher von sich gegeben haben und haben sich zurückgeworfen auf das eigene Ich, entfernt von der Welt der Menschen und dadurch der Welt nähergekommen. Die Welt, die da draussen auch existiert, jenseits von Medien, Markt und Politik. Die Welt, die aus Pflanzen, Tieren, Blumen, Käfern und Bäumen besteht. Und gerade damit haben sie ein Zeichen gesetzt, das vielleicht deutlicher ist, als zuvor. Ein lautes Nein von hier zur Wand.
Und vielleicht ist damit alles gesagt worden, was zu sagen war. Und es war Zeit zu gehen. Vielleicht aber fehlt jetzt auch eine Stimme, die sich gegen die Mias und Schäubles dieser Tage wendet. Aber wenn Jochen Distelmeier alleine weiter Musik macht, dann ist die Stimme doch noch nicht verstummt, wenn er sich denn nicht im Hain der Apfelbäume verliert.
Status: Quo Vadis
stets dem Leben zu
hüten wir die Schwelle
zwischen Ich und Du
Sorge braucht Zusammenhänge
Zärtlichkeit braucht Zeit
Musik für eine andere Wirklichkeit
- Status: Quo Vadis, Old Nobody
Jetzt ist "Ein Lied mehr (The Anthology Archives Vol. 1)" erschienen, welches neben den kompletten ersten drei Alben (Ich-Maschine, L'etat et moi und Old Nobody), eine Live-CD und eine CD mit alternativen Versionen von Songs (zu empfehlen: Verstärker), sowie zwei neuen Liedern, ein Cover (The Law von Leonard Cohen) und Deutschland der Deutschen, enthält. Für diejenigen unter uns, die die ersten drei Alben noch nicht ihr eigen nennen, mehr als lohnend, für alle anderen ist allerdings etwas zu wenig Inhalt vorhanden.
Wertungen:
Ich-Maschine 9/10
L'etat et moi, 10/10
Old Nobody, 9/10
Testament der Angst, 10/10
Jenseits von Jedem, 5/10
Verbotene Früchte, 7/10
Mittwoch, März 14, 2007
Reingehört
Placebo - Covers
Das neue Album von Placebo, welches nur aus diversen Coverversionen besteht. Enttäuschend, da die meisten Songs nur nachgespielt erscheinen und nicht wirklich neu interpretiert werden. Nur "Running Up That Hill" und "Johnny and Mary" zeigen etwas Mut. Das "Daddy Cool" von Boney M gecovert wird, wurde wohlwollend registriert. "Bigmouth Strikes Again", "20th Century Boy" und "I Feel You" sind allerdings mit den Originalen austauschbar. Daher 4/10.
The Cinematics - A Strange Education
Eine weitere 80er Revivalband. Schon sehr viel früher und auch besser von Interpol gehört. 5/10
Air - Pocket Symphony
Ein neues Air Album. Und irgendwie ist alles beim Alten. Wie heisst das Album? Talkie Walkie? Pocket Symphony? 10.000 Hz Legend? Austauschbare Namen und austauschbare Songs. Oh, doch nicht. Air haben jetzt auch Gastmusiker. Trotzdem sind die Zeiten von Moon Safari lange vorbei. 4/10
B.Fleischmann - Melancholie / Sendestrasse
Zwei 49 min Songs. Jeweils 30 sek hörbar. Keine Wertung, macht aber Geschmack auf die restlichen 48.30 min.
Stereo Total - Party Anticonformiste
Konnte diesem französischen Pop noch nie viel abgewinnen. Trotz teilweise deutschen Texten mit französischem Akzent, was wohl irgendwie niedlich rüberkommen soll. Vielleicht also auch wegen der deutschen Texte mit französischem Akzent. Und wegen der Musik. 3/10
Das neue Album von Placebo, welches nur aus diversen Coverversionen besteht. Enttäuschend, da die meisten Songs nur nachgespielt erscheinen und nicht wirklich neu interpretiert werden. Nur "Running Up That Hill" und "Johnny and Mary" zeigen etwas Mut. Das "Daddy Cool" von Boney M gecovert wird, wurde wohlwollend registriert. "Bigmouth Strikes Again", "20th Century Boy" und "I Feel You" sind allerdings mit den Originalen austauschbar. Daher 4/10.
The Cinematics - A Strange Education
Eine weitere 80er Revivalband. Schon sehr viel früher und auch besser von Interpol gehört. 5/10
Air - Pocket Symphony
Ein neues Air Album. Und irgendwie ist alles beim Alten. Wie heisst das Album? Talkie Walkie? Pocket Symphony? 10.000 Hz Legend? Austauschbare Namen und austauschbare Songs. Oh, doch nicht. Air haben jetzt auch Gastmusiker. Trotzdem sind die Zeiten von Moon Safari lange vorbei. 4/10
B.Fleischmann - Melancholie / Sendestrasse
Zwei 49 min Songs. Jeweils 30 sek hörbar. Keine Wertung, macht aber Geschmack auf die restlichen 48.30 min.
Stereo Total - Party Anticonformiste
Konnte diesem französischen Pop noch nie viel abgewinnen. Trotz teilweise deutschen Texten mit französischem Akzent, was wohl irgendwie niedlich rüberkommen soll. Vielleicht also auch wegen der deutschen Texte mit französischem Akzent. Und wegen der Musik. 3/10
Montag, März 12, 2007
Kurze: My Brightest Diamond - Tear it down
"Tear it down" ist ein Remix Album des 2006er Albums "Bring Me The Workhorse" von My Brightest Diamond. Die Remixe sind triphoppig bis elektronisch. My Brightest Diamond erinnert stark an Goldfrapp und Björk, und ich fand das Original interessanter als das, meiner Meinung nach, zu hoch gelobte Joanna Newsom Album "Ys".
Reszensionen hier: popmatters
eachnotesecure
boomkat
My Brightest Diamond: myspace
asthmatic kitty
homepage
Meine Wertung: My Brightest Diamond - Tear it down 7/10
My Brightest Diamond - Bring Me The Workhorse 8/10
Reszensionen hier: popmatters
eachnotesecure
boomkat
My Brightest Diamond: myspace
asthmatic kitty
homepage
Meine Wertung: My Brightest Diamond - Tear it down 7/10
My Brightest Diamond - Bring Me The Workhorse 8/10
Samstag, März 10, 2007
Im Blickpunkt - Klee Teil 1
Ein später Sommernachmittag am See. Du liegst träge auf einem Badetuch und lässt Dir die letzten Sonnenstrahlen auf den Balg scheinen. Du blickst über den See und Deine Gedanken streifen ab. Dabei hörst Du Klee und die Stimmung ist so perfekt, dass sie sich in Deinem Gedächtnis festsetzen wird.
Klee, eine Kölner Band, liegt irgendwo zwischen Blumfeld/Tocotronic, der Hamburger Schule im allgemeinen, den üblichen Deutsch-Pop-Gewächsen á la Wir sind Helden/Juli, sowie nicht zu überhörenden britischen Einflüssen. Dabei hat die Musik eine Leichtigkeit, die vor allem auf den älteren, elektronischeren Alben an Air erinnert, ohne so zu klingen.
Die Einflüsse der Band klingen so deutlich hervor, dass man beim Hören sich fragt, woher der Song einem so bekannt vorkommt, bis man merkt, dass klingt ja nach Tocos, Blumfeld, etc. oder blickt erstaunt, wenn man Hommagen an The Cure, New Order, etc. erkennt. Dabei sind die Songs trotzdem immer noch eindeutig Klee und werden vor allem von der unglaublichen Stimme der Sängerin zusammengehalten und einzigartig.
Dabei sind die Texte, die sich eigentlich immer mit der eigenen, privaten Welt befassen, von einer Lyrik, die sicherlich nicht an Blumfeld heranreicht, aber sicherlich die üblichen Deutsch-Pop-Gewächse weit hinter sich lässt.
So hört man denn Klee und lässt sich von den Liedern umgarnen und denkt, dass vielleicht doch noch alles gut wird, jetzt, vielleicht für länger, vielleicht für immer.
Klee - je länger je lieber
Erschienen 2004.
Für alle, die:
Das hier ist für alle die, / die es wissen / dass man alles kann / doch man muss nichts müssen
Schöner hymnischer Song, der einen direkt in das Album hineinzieht. Der Text ist das Programm der Band. 8/10
Tausendfach:
Doch wie er von der Liebe sprach / stach mir mitten ins Herz / tief und tausendfach
Schon mit den ersten Tönen wird klar: Blumfeld. 8/10
Mit Dir:
Ich glaub daran / dass alles einen Sinn macht / irgendwann
Schöner kleiner Popsong. 7/10
Gold:
Und jeden Augenblick gibts kein zurück / Wir sind Teil eines Ganzen dass größer ist / als du und ich
Hier zum ersten Mal auf diesem Album hört man einen der wichtigsten Einflüsse der Band heraus: New Order. Schöne Verbindung von Gitarren und elektronischen Spielereien. Und dann halt der New Order Bass. 7/10
Mein Geheimnis:
Britpop mit deutschen Texten. Interessant. 6/10
Zwei Fragen:
Und wenn ich dich zwei Fragen fragen würde / wär das / woran glaubst du / und wofür lebst du
Vielleicht bester Song des Albums. Fängt wie Blumfeld an und transformiert sich dann zu einem Tocotronic-Song, bis dann in der Mitte des Songs ein New Order Bass seine Aufmerksamkeit einfordert. Besser könnens Tocotronic auch nur in ihren besten Songs. 9/10
Gegen den Strom:
Aber die Sehnsucht ist stärker / als dass, was man uns diktiert
Ganz netter Song der auch gut anfängt, aber dann wird der Refrain irgendwie in den Sand gesetzt. Schade. 5/10
Solang du lebst:
Ist alles was entsteht / dem Leben nur wert / dass es zugrunde geht
Unglaublich, aber irgendwie erinnert der Song mich an einen Faith & the Muse Song. Ist natürlich nix gothicartiges, aber trotzdem. Und ne Art elektronische Sirene, die den Rhytmus vorgibt. Und natürlich das Faust-Zitat. 7/10
Wunschfrei:
Beginnt wie ein Tocotronic-Song, um dann in ein Coldplay Piano überzugehen. Und so wechselt sich der Song dann ab, zwischen Tocotronic Gitarrengeschrammel und ruhigem Coldplay-Piano.
6/10
Unser Film:
In unserm Film sind wir die Guten / in unserm Film gibts keine Toten
Wahnsinn, deutlicher kann man einen Song nicht zu einer The Cure Hommage machen. Das ist praktisch "Just Like Heaven". 8/10
Keine zehn Pferde:
Indie Gitarrenpop auf deutsch. Trotzdem reisst der Song nicht so mit, trotz "hey ho, let's go!" Attitüde. 5/10
Mein Zimmer:
Klingt irgendwie wie eine Blumfeld-Ballade. Ruhig und einschmeichelnd. Und zum Glück wird nicht von Äpfeln und Bäumen gesungen. 6/10
Gesamteindruck: 7/10
Im zweiten Teil dann das aktuelle Album "Zwischen Himmel und Erde".
Klee
Klee, eine Kölner Band, liegt irgendwo zwischen Blumfeld/Tocotronic, der Hamburger Schule im allgemeinen, den üblichen Deutsch-Pop-Gewächsen á la Wir sind Helden/Juli, sowie nicht zu überhörenden britischen Einflüssen. Dabei hat die Musik eine Leichtigkeit, die vor allem auf den älteren, elektronischeren Alben an Air erinnert, ohne so zu klingen.
Die Einflüsse der Band klingen so deutlich hervor, dass man beim Hören sich fragt, woher der Song einem so bekannt vorkommt, bis man merkt, dass klingt ja nach Tocos, Blumfeld, etc. oder blickt erstaunt, wenn man Hommagen an The Cure, New Order, etc. erkennt. Dabei sind die Songs trotzdem immer noch eindeutig Klee und werden vor allem von der unglaublichen Stimme der Sängerin zusammengehalten und einzigartig.
Dabei sind die Texte, die sich eigentlich immer mit der eigenen, privaten Welt befassen, von einer Lyrik, die sicherlich nicht an Blumfeld heranreicht, aber sicherlich die üblichen Deutsch-Pop-Gewächse weit hinter sich lässt.
So hört man denn Klee und lässt sich von den Liedern umgarnen und denkt, dass vielleicht doch noch alles gut wird, jetzt, vielleicht für länger, vielleicht für immer.
Klee - je länger je lieber
Erschienen 2004.
Für alle, die:
Das hier ist für alle die, / die es wissen / dass man alles kann / doch man muss nichts müssen
Schöner hymnischer Song, der einen direkt in das Album hineinzieht. Der Text ist das Programm der Band. 8/10
Tausendfach:
Doch wie er von der Liebe sprach / stach mir mitten ins Herz / tief und tausendfach
Schon mit den ersten Tönen wird klar: Blumfeld. 8/10
Mit Dir:
Ich glaub daran / dass alles einen Sinn macht / irgendwann
Schöner kleiner Popsong. 7/10
Gold:
Und jeden Augenblick gibts kein zurück / Wir sind Teil eines Ganzen dass größer ist / als du und ich
Hier zum ersten Mal auf diesem Album hört man einen der wichtigsten Einflüsse der Band heraus: New Order. Schöne Verbindung von Gitarren und elektronischen Spielereien. Und dann halt der New Order Bass. 7/10
Mein Geheimnis:
Britpop mit deutschen Texten. Interessant. 6/10
Zwei Fragen:
Und wenn ich dich zwei Fragen fragen würde / wär das / woran glaubst du / und wofür lebst du
Vielleicht bester Song des Albums. Fängt wie Blumfeld an und transformiert sich dann zu einem Tocotronic-Song, bis dann in der Mitte des Songs ein New Order Bass seine Aufmerksamkeit einfordert. Besser könnens Tocotronic auch nur in ihren besten Songs. 9/10
Gegen den Strom:
Aber die Sehnsucht ist stärker / als dass, was man uns diktiert
Ganz netter Song der auch gut anfängt, aber dann wird der Refrain irgendwie in den Sand gesetzt. Schade. 5/10
Solang du lebst:
Ist alles was entsteht / dem Leben nur wert / dass es zugrunde geht
Unglaublich, aber irgendwie erinnert der Song mich an einen Faith & the Muse Song. Ist natürlich nix gothicartiges, aber trotzdem. Und ne Art elektronische Sirene, die den Rhytmus vorgibt. Und natürlich das Faust-Zitat. 7/10
Wunschfrei:
Beginnt wie ein Tocotronic-Song, um dann in ein Coldplay Piano überzugehen. Und so wechselt sich der Song dann ab, zwischen Tocotronic Gitarrengeschrammel und ruhigem Coldplay-Piano.
6/10
Unser Film:
In unserm Film sind wir die Guten / in unserm Film gibts keine Toten
Wahnsinn, deutlicher kann man einen Song nicht zu einer The Cure Hommage machen. Das ist praktisch "Just Like Heaven". 8/10
Keine zehn Pferde:
Indie Gitarrenpop auf deutsch. Trotzdem reisst der Song nicht so mit, trotz "hey ho, let's go!" Attitüde. 5/10
Mein Zimmer:
Klingt irgendwie wie eine Blumfeld-Ballade. Ruhig und einschmeichelnd. Und zum Glück wird nicht von Äpfeln und Bäumen gesungen. 6/10
Gesamteindruck: 7/10
Im zweiten Teil dann das aktuelle Album "Zwischen Himmel und Erde".
Klee
Mittwoch, März 07, 2007
Arcade Fire - Neon Bible
Überall ist die Arcade Fire in aller Munde. Und alle Kritiken jubeln das Album in höchste Höhen und nachdem ich ein paar Mal das Album gehört kann ich nur sagen: Recht haben Sie!
Als erstes fällt auf, wie abwechslungsreich die Platte ist. Schräge Kirchenorgeln sind genauso dabei, und diese sind wahrscheinlich Schuld daran, dass das Album als eine gradezu kirchliche Zeremonie gelobt wird, was irgendwie schon übers Ziel hinausschießt, so wie elektronisches Geflirre und folkige Gitarren. Dazu nahezu immer ein sehr gewaltiges Schlagzeug. Es braucht allerdings einiges Hören, um in das Album richtig einzutauchen, aber schließlich werden einem die Songs so vertraut, dass selbst die Songs im Mittelteil, die einem erst weniger gut gefiehlen plötzlich richtig gut erscheinen. Sicherlich bestes Album des ersten Viertels des Jahres und heißer Anwärter auf einer der oberen Plätze in den Jahrescharts. Die nächsten Veröffentlichungen werden sich an Arcade Fire messen lassen müssen.
10/10
Einzelkritik:
Black Mirror:
Mirror, Mirror on the wall / show me where them bombs will fall
Guter Einstieg in das Album. Düster und mit nettem Geklimper im Hintergrund. Erinnert mich stellenweise an Pulp in ihren dramatischen Liedern. 8/10
Keep the Car running:
If some night I'm not coming home / please don't think I've left you alone
Und plötzlich kommt da ein folkartiges Gitarrengedudel daher, dessen Groove einen mitreisst. Der Druck den der Song aufbaut wird ständig erhöht und lässt eigentlich bis zum finalen Paukenschlag nicht mehr nach. Gut. 7/10
Neon Bible:
In the Neon Bible, the Neon Bible / Not much chance for survival / if the Neon Bible is true
Als nächstes wird erstmal etwas Schwung herausgenommen. Neon Bible kommt ruhig daher, allerdings ist da ein etwas unruhiges elektronischer Gedrösel im Hintergrund und der Song hat eine etwas bedrohliche, finstere Atmosphäre. Trotzdem kommt er nicht ganz an die vorherigen Lieder heran. 6/10
Intervention:
Working for the church while your life falls apart / Signin' hallelujah with the fear in your heart / Every spark of friendship and love will die without a home
Gewaltig dröhnen Kirchenorgeln aus den Lautsprechern und, wie üblich, steigert sich der Song ständig, um unaufhaltsam auf den finalen Höhepunkt zu zusteuern. Großartig. 9/10
Black Wave:
There is a great black wave in the middle of the sea / for me / for you / for me / it's always for you
Ein Song aus zwei Teilen. Erst eine irgendwie bedrohlich, paranoide Einleitung, hübsch von einer weiblich Stimme untermalt, dann der Bruch und der Sänger übernimmt. Und am Ende dann ein nahezu nahtloser Übergang in den nächsten Song. 9/10
Ocean of Noise:
An ocean of noise / I first heard your voice / Now who here among us / Still believes in choice? / Not I!
Irgendwie ein Song den ich als pulp fictionig bezeichnen würde, der dann irgendwie zu einem Nick Cave Crossover wird und schließlich Erinnerungen an Godspeed! You Black Emperor wachrüttelt und in einem Bläseroutro mündet. Was will man mehr? 10/10
The Well & the Lighthouse:
She said, "You fool, now that you know your end is near; / You always fall for what you desire or what you fear!"
Vielleicht der Song der am ehesten an einen konventionellen Indiepopsong erinnert. 9/10
Building Downtown (Antichrist Television Blues):
Irgendwie erinnert mich der Song an den Boss. Ja, an Bruce Springsteen. Und trotzdem funktioniert er irgendwie. Keine Ahnung warum. 9/10
Windowsill:
Don't wanna fight in a holy war / Don't want the salesmen knocking at my door / Don't wanna live in America no more
Ich kann nicht genau den Finger in die Wunde legen, aber der Song erinnert mich an etwas, aber ich kann nicht sagen an was. Ansonsten sehr breit und flächig. 8/10
No Cars Go:
Between the click of the light and the start of the dream
Höhepunkt des Albums. Wahnsinn! Besser kanns mans fast nicht mehr machen. 10/10
My Body Is A Cage:
My body is a cage / that keeps me from dancing / with the one I love / but my mind holds the key
Und dann kommt wieder ein Song daher, der sich von allen anderen unterscheidet und sich trotzdem nahtlos einfügt. Sehr bluesig, aber durch die wieder einsetzenden Kirchenorgeln irgendwie sakral (Da, jetzt hab ichs auch gesagt!). Vielleicht der traurigste Song des Albums, der in der Mitte nochmal richtig Gas gibt. 10/10
Im Durchschnitt eigentlich eine 8,6/10 Punkten, aber der Durchschnitt ist nicht alles, daher klare 10/10 Punkten.
www.arcadefire.com
Als erstes fällt auf, wie abwechslungsreich die Platte ist. Schräge Kirchenorgeln sind genauso dabei, und diese sind wahrscheinlich Schuld daran, dass das Album als eine gradezu kirchliche Zeremonie gelobt wird, was irgendwie schon übers Ziel hinausschießt, so wie elektronisches Geflirre und folkige Gitarren. Dazu nahezu immer ein sehr gewaltiges Schlagzeug. Es braucht allerdings einiges Hören, um in das Album richtig einzutauchen, aber schließlich werden einem die Songs so vertraut, dass selbst die Songs im Mittelteil, die einem erst weniger gut gefiehlen plötzlich richtig gut erscheinen. Sicherlich bestes Album des ersten Viertels des Jahres und heißer Anwärter auf einer der oberen Plätze in den Jahrescharts. Die nächsten Veröffentlichungen werden sich an Arcade Fire messen lassen müssen.
10/10
Einzelkritik:
Black Mirror:
Mirror, Mirror on the wall / show me where them bombs will fall
Guter Einstieg in das Album. Düster und mit nettem Geklimper im Hintergrund. Erinnert mich stellenweise an Pulp in ihren dramatischen Liedern. 8/10
Keep the Car running:
If some night I'm not coming home / please don't think I've left you alone
Und plötzlich kommt da ein folkartiges Gitarrengedudel daher, dessen Groove einen mitreisst. Der Druck den der Song aufbaut wird ständig erhöht und lässt eigentlich bis zum finalen Paukenschlag nicht mehr nach. Gut. 7/10
Neon Bible:
In the Neon Bible, the Neon Bible / Not much chance for survival / if the Neon Bible is true
Als nächstes wird erstmal etwas Schwung herausgenommen. Neon Bible kommt ruhig daher, allerdings ist da ein etwas unruhiges elektronischer Gedrösel im Hintergrund und der Song hat eine etwas bedrohliche, finstere Atmosphäre. Trotzdem kommt er nicht ganz an die vorherigen Lieder heran. 6/10
Intervention:
Working for the church while your life falls apart / Signin' hallelujah with the fear in your heart / Every spark of friendship and love will die without a home
Gewaltig dröhnen Kirchenorgeln aus den Lautsprechern und, wie üblich, steigert sich der Song ständig, um unaufhaltsam auf den finalen Höhepunkt zu zusteuern. Großartig. 9/10
Black Wave:
There is a great black wave in the middle of the sea / for me / for you / for me / it's always for you
Ein Song aus zwei Teilen. Erst eine irgendwie bedrohlich, paranoide Einleitung, hübsch von einer weiblich Stimme untermalt, dann der Bruch und der Sänger übernimmt. Und am Ende dann ein nahezu nahtloser Übergang in den nächsten Song. 9/10
Ocean of Noise:
An ocean of noise / I first heard your voice / Now who here among us / Still believes in choice? / Not I!
Irgendwie ein Song den ich als pulp fictionig bezeichnen würde, der dann irgendwie zu einem Nick Cave Crossover wird und schließlich Erinnerungen an Godspeed! You Black Emperor wachrüttelt und in einem Bläseroutro mündet. Was will man mehr? 10/10
The Well & the Lighthouse:
She said, "You fool, now that you know your end is near; / You always fall for what you desire or what you fear!"
Vielleicht der Song der am ehesten an einen konventionellen Indiepopsong erinnert. 9/10
Building Downtown (Antichrist Television Blues):
Irgendwie erinnert mich der Song an den Boss. Ja, an Bruce Springsteen. Und trotzdem funktioniert er irgendwie. Keine Ahnung warum. 9/10
Windowsill:
Don't wanna fight in a holy war / Don't want the salesmen knocking at my door / Don't wanna live in America no more
Ich kann nicht genau den Finger in die Wunde legen, aber der Song erinnert mich an etwas, aber ich kann nicht sagen an was. Ansonsten sehr breit und flächig. 8/10
No Cars Go:
Between the click of the light and the start of the dream
Höhepunkt des Albums. Wahnsinn! Besser kanns mans fast nicht mehr machen. 10/10
My Body Is A Cage:
My body is a cage / that keeps me from dancing / with the one I love / but my mind holds the key
Und dann kommt wieder ein Song daher, der sich von allen anderen unterscheidet und sich trotzdem nahtlos einfügt. Sehr bluesig, aber durch die wieder einsetzenden Kirchenorgeln irgendwie sakral (Da, jetzt hab ichs auch gesagt!). Vielleicht der traurigste Song des Albums, der in der Mitte nochmal richtig Gas gibt. 10/10
Im Durchschnitt eigentlich eine 8,6/10 Punkten, aber der Durchschnitt ist nicht alles, daher klare 10/10 Punkten.
www.arcadefire.com
Donnerstag, Februar 01, 2007
The Good, the Bad & the Queen - dito
Also die neue Band/Projekt von Mr. Blur und Gorillaz, the one and only Damon Albarn. Am Bass der Typ von The Clash, Gitarre bedient einer von The Verve und an den Trommeln wohl der afrikanische AfroBeat Kultmensch.
Genereller Eindruck: Sehr dubbig, ruhig, melancholisch.
1. History Song - Nettes Gitarrengeriffe, dann dubbiger Beat und Albarns Stimme irgendwo nah, aber doch zurückgenommen. Klingt irgendwie kneipig. Klingt komisch, wenn mans liest, funktioniert aber. Sehr nett. (7)
2. 80s Life - Fängt gediegen schunkelig an, mit Unterwassergitarre. Dazu irgendwie BritPop-Stimme aussem Keller. Klingt irgendwie wie ein schräger Beautiful South Song. Denkt man erst, geht garnicht. Dann beim 2-3 hören, ertappt man sich beim Mitschunkeln. Zwischen viel Oooh and Ahhs und bopdibop doch noch ne (5).
3. Northern Whale - Dubbig und Elektronisch. Wieder eingängige Stimme. Überhaupt die Stimme. Klingt so, als würde sie leise um dich herumschleichen und dich in den Arm nehmen. Smooth. (5-6)
4. Kingdom of Doom - Schrammelgitarre, wieder irgendwie dubbig. Die Stimme wieder der Hammer, vor allem, wenn der Refrain auf dein Trommelfell trifft. Schon beim ersten Hören hat man das Gefühl, dass man den Song schon seit Ewigkeiten kennt. Und dann gleitet der Song, der viel zu kurz ist, ganz locker in den nächsten hinein. (8)
5. Heruclean - hierfür gilt eigentlich das gleiche, wie für Song Nr.4, da er irgendwie wie ein Part 2 des anderen klingt. Obwohl er anders ist. Paradox? Vielleicht, aber trotzdem wahr ;) (8)
6. Behind the Sun - Fängt an wie son Song, den man sich als Filmmusik für nen Tarantino oder David Lynch vorstellt, der irgendwo im Südwesten der USA spielt. In einer Wüste bei Nacht. Die Tür von einem Trailer geht auf und man sieht Cowboystiefel eintreten. Dann geht wieder alles in einen smoothen, ruhigen, melancholischen Dub-Song unter mit so einer leicht klagenden Hintergrundgitarre. (5)
7. Bunting Song - Ba Ba Babab baba. Mir fällt grad auf. Stell dir vor Thom Yorke würde wie Damon Albarn singen. Oder Damon Albarn wie Thom Yorke. Dann hat man ungefähr ne Vorstellung davon wie das klingt. Oder Radiohead auf Dub. Mit anderem Sänger... (6)
8. Nature Springs - Hm, unglaublich konstant die Platte. Obwohl der Song nuanciert anders ist, als die vorherigen, gilt doch alles was vorher schon gesagt wurde. Nur diesmal mehr Uhhhs. Wieder sehr entspannt, ruhig und melancholisch. Mit leichten Spielerein im letzen Drittel. (6)
9. A Soldier's Tale. Streicher kommen jetzt dazu. Trotzdem nicht bombastisch, eher das Gegenteil. Man hat das Gefühl, die Songs sind alle nah dran an einem und Albarn sitzt einem auf der Schulter und haucht einem ins Ohr. (6)
10. Three Changes - Leicht nervöses Schlagzeug. Albarn jetzt weiter weg, weniger gehaucht. Ein Bass walkt sich durch den Song. Der erste Song, bei dem man etwas angestrengter mit dem Fuß wippt. Während man im Liegestuhl liegt und an seiner Cola mit Rum schlürft, natürlich. Am Ende kommt dann der Dubbeat richtig durch und man wippt auch mit dem Oberkörper. (7)
11. Green Fields - Jetzt etwas folkiger. Mit einer Gitarre die zwischen zupfen und schrammeln sich abwechselt. (7)
12. The Good, the Bad & the Queen - der britpoppigste Song mit Klaviergeklimper. Extrem eingängiger Gesang. Dann auf einmal die Wende, es wird immer schneller, alle Instrumente beginnen am Rad zu drehen und es wird immer verzerrter. Dann bricht alles ab und es bleibt nur ein dumpfes Echo. (8)
Kein großer Spielraum in den Bewertungen, aber es ist auch irgendwie alles aus einem Guß, entweder man findet alles gut oder das ganze Album schlecht. Bei mir sinds 78,5 Punkte von 120, oder 6,5 im Schnitt.
Vielleicht ein bißchen unterbewertet, da das Album einen sehr guten, unangestrengten Eindruck hinterlässt. Wahrscheinlich nicht das beste Album des Jahres, aber wenn die Konkurrenz weiter so schwächelt (siehe Bloc Party) eventuell ein Platz unter den Top 15 am Ende des Jahres.
Genereller Eindruck: Sehr dubbig, ruhig, melancholisch.
1. History Song - Nettes Gitarrengeriffe, dann dubbiger Beat und Albarns Stimme irgendwo nah, aber doch zurückgenommen. Klingt irgendwie kneipig. Klingt komisch, wenn mans liest, funktioniert aber. Sehr nett. (7)
2. 80s Life - Fängt gediegen schunkelig an, mit Unterwassergitarre. Dazu irgendwie BritPop-Stimme aussem Keller. Klingt irgendwie wie ein schräger Beautiful South Song. Denkt man erst, geht garnicht. Dann beim 2-3 hören, ertappt man sich beim Mitschunkeln. Zwischen viel Oooh and Ahhs und bopdibop doch noch ne (5).
3. Northern Whale - Dubbig und Elektronisch. Wieder eingängige Stimme. Überhaupt die Stimme. Klingt so, als würde sie leise um dich herumschleichen und dich in den Arm nehmen. Smooth. (5-6)
4. Kingdom of Doom - Schrammelgitarre, wieder irgendwie dubbig. Die Stimme wieder der Hammer, vor allem, wenn der Refrain auf dein Trommelfell trifft. Schon beim ersten Hören hat man das Gefühl, dass man den Song schon seit Ewigkeiten kennt. Und dann gleitet der Song, der viel zu kurz ist, ganz locker in den nächsten hinein. (8)
5. Heruclean - hierfür gilt eigentlich das gleiche, wie für Song Nr.4, da er irgendwie wie ein Part 2 des anderen klingt. Obwohl er anders ist. Paradox? Vielleicht, aber trotzdem wahr ;) (8)
6. Behind the Sun - Fängt an wie son Song, den man sich als Filmmusik für nen Tarantino oder David Lynch vorstellt, der irgendwo im Südwesten der USA spielt. In einer Wüste bei Nacht. Die Tür von einem Trailer geht auf und man sieht Cowboystiefel eintreten. Dann geht wieder alles in einen smoothen, ruhigen, melancholischen Dub-Song unter mit so einer leicht klagenden Hintergrundgitarre. (5)
7. Bunting Song - Ba Ba Babab baba. Mir fällt grad auf. Stell dir vor Thom Yorke würde wie Damon Albarn singen. Oder Damon Albarn wie Thom Yorke. Dann hat man ungefähr ne Vorstellung davon wie das klingt. Oder Radiohead auf Dub. Mit anderem Sänger... (6)
8. Nature Springs - Hm, unglaublich konstant die Platte. Obwohl der Song nuanciert anders ist, als die vorherigen, gilt doch alles was vorher schon gesagt wurde. Nur diesmal mehr Uhhhs. Wieder sehr entspannt, ruhig und melancholisch. Mit leichten Spielerein im letzen Drittel. (6)
9. A Soldier's Tale. Streicher kommen jetzt dazu. Trotzdem nicht bombastisch, eher das Gegenteil. Man hat das Gefühl, die Songs sind alle nah dran an einem und Albarn sitzt einem auf der Schulter und haucht einem ins Ohr. (6)
10. Three Changes - Leicht nervöses Schlagzeug. Albarn jetzt weiter weg, weniger gehaucht. Ein Bass walkt sich durch den Song. Der erste Song, bei dem man etwas angestrengter mit dem Fuß wippt. Während man im Liegestuhl liegt und an seiner Cola mit Rum schlürft, natürlich. Am Ende kommt dann der Dubbeat richtig durch und man wippt auch mit dem Oberkörper. (7)
11. Green Fields - Jetzt etwas folkiger. Mit einer Gitarre die zwischen zupfen und schrammeln sich abwechselt. (7)
12. The Good, the Bad & the Queen - der britpoppigste Song mit Klaviergeklimper. Extrem eingängiger Gesang. Dann auf einmal die Wende, es wird immer schneller, alle Instrumente beginnen am Rad zu drehen und es wird immer verzerrter. Dann bricht alles ab und es bleibt nur ein dumpfes Echo. (8)
Kein großer Spielraum in den Bewertungen, aber es ist auch irgendwie alles aus einem Guß, entweder man findet alles gut oder das ganze Album schlecht. Bei mir sinds 78,5 Punkte von 120, oder 6,5 im Schnitt.
Vielleicht ein bißchen unterbewertet, da das Album einen sehr guten, unangestrengten Eindruck hinterlässt. Wahrscheinlich nicht das beste Album des Jahres, aber wenn die Konkurrenz weiter so schwächelt (siehe Bloc Party) eventuell ein Platz unter den Top 15 am Ende des Jahres.
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